Montag, 31. Oktober 2011

Herbstbetrieb

Herbstbetrieb überall in unserem Haushalt.

Es nieselt. Also toben die Jungs in Ermangelung der Gartenspielzeit über Sofa und Tische und machen mich wahnsinnig mit ständigen brüderlichen Kabbeleien. Kain und Abel auf dem Wohnzimmerteppich. Mord und Totschlag.

Die beiden haben sich wirklich lieb.
Aber wenn ihnen der körperliche Ausgleich bei Schlechtwetter fehlt, dann sind sie wahre Zimmertornados.

Wer sich nicht davon stören lässt, ist unser Fräulein Sise:

Hier liegt sie gerade auf dem Sofa. Aber wehe, man wagt sie am Bauch zu kraulen! In dem Fall sollte man das Telefon für den Notarzt bereithalten und seine Blutgruppe genau wissen.

Wird es Fräulein Sise mit den beiden Jungs zu unruhig, dann verdrückt sie sich still und leise Richtung Schlafzimmer. Und weil sie eine Papakatze ist, ist die Bettdecke meines Gatten ihr erklärtes Ziel. Aber notfalls tut es auch meine Bettdecke. Eigentlich darf sie ja nicht ins Dachgeschoss und erst recht nicht in die Betten, aber Sise ist diesbezüglich sehr eigensinnig und unbelehrbar.


Mein Mann hat mich dieses Wochenende so toll unterstützt bei der Jungsbespaßung, da konnte ich fleißig Seife sieden: Gestern wanderte "Cool Citrus Basil" in die Seifenform. Geplant war eine Gärtnerseife mit Mohn als Peelingzusatz und frischgrünem Duft.

Cool Citrus Basil riecht, wie der Name vermuten lässt, überwiegend nach frischem Basilikum. Abgerundet wird der Duft durch einen Hauch Citrusduft.

Und weil nach dem Befüllen der Form auch noch genügend Seifenleim für die kleine Blockform übrig war, habe ich also auch noch eine Partie ohne Mohn angefertigt. Natürlich als Taiwan-Swirl (diese Form ist einfach mein Ding).

Sieht die 30er Taiwan-Form nicht süß aus neben der Großen?
Ansonsten habe ich dieses Wochenende 133 Stücke Seife entgratet, gestempelt und eingewickelt.
Und oben in der Seifenküche schlummern 2 Blöcke mit "Vanilla-Caramel" und "Mens Musk" in der umfunktionierten Kühlbox, außerdem diverse Motivformen mit "Erdbeer-Champagner".
Ich werde gleich mal nachschauen, ob sie brav in der Gelphase sind und nicht überhitzen.

Und morgen wird meine Gärtnerseife dann ausgeformt und geschnitten. Darauf bin ich schon gespannt.

Bis bald,
Postpanamamaxi

PS: Es gibt in den nächsten Tagen eine Überraschung bei mir!
 Reinschauen lohnt.

Samstag, 29. Oktober 2011

101 sind die neue 100...

Herzlich willkommen als meine 100. Leserin, liebe DOREEN!
Schön, dass Du hierher gefunden hast und ich hoffe, Du wirst viel Spaß und etwas Inspiration beim Lesen dieses Blogs haben.

Und wenn man sich jetzt wundert, warum der Zähler schon bei 101 steht...ich war so doof, mein eigenes Blog als Leser zu abonnieren, und kann mich selbst nicht wieder aus der Liste löschen!

Viele Grüße von
Postpanamamaxi

PS: Heute mal wieder eine Riesenpartie Seife gesiedet, mit Mohn und Cool Citrus Basil von SP, sehr lecker! Das kleine 6,5kg-Seifchen schlummert jetzt in der Isolierbox und wird hoffentlich brav gelen (da ich Seide verarbeitet habe, sollte diese eigentlich in Kombination mit der großen Menge für genügend Selbsterwärmung sorgen).

Freitag, 28. Oktober 2011

Gästeseifen

Gestern habe ich mich ausgiebig mit dem Schneiden von Seife befasst.
Es ist gar nicht so einfach, wenn einem ein professioneller Seifenschneider fehlt, aber mit einer selbstgebastelten Schablone und sicherer Hand ist es mir gelungen, dass die Schwankungsbreite nur maximal 5 Gramm beträgt. Ich bin damit ganz zufrieden.
Das Leben ist kein Wunschkonzert und manche Anschaffungen müssen eben zurückgestellt werden.

Duft: African Tea, gefärbt mit roter Tonerde

Probestempeln auf den Reststücken
Mir gefällt diese Seife in ihrer Schlichtheit und Unaufdringlichkeit recht gut.
Gefärbt ist sie teilweise mit roter Tonerde und beduftet wurde sie mit African Tea von Behawe. Ein sehr warmer, angenehmer Duft, der mich an Vanille und Roibuschtee erinnert, und der sich als Weihnachtsseifenduft qualifiziert.

Ich wollte mal etwas machen, das von den üblichen Weihnachtsduftklassikern abweicht, weil ich letztes Jahr im Herbst zig Weihnachtsseifen in klassischen Weihnachtsdüften gesiedet hatte, die dann ab Januar nicht mehr gefragt waren.
Da ich - wie 2% der Bevölkerung Mitteleuropas - gegen Zimtaldehyd mit einer heftigen Allergie reagiere (bei mir endet es mit Atemnot), fallen für mich ohnehin diverse Düfte aus der typischen Weihnachtsduftpalette heraus. Selbst wenn ich so einen Duft durch die Sicherheitsbewertung im Labor genehmigt bekäme, hätte ich doch ein sehr ungutes Gefühl, so ein Produkt dann auf die Menschheit loszulassen. Es weiß nun mal nicht jeder, ob er allergisch ist oder auf welchen Stoff er reagiert, und insofern nützt in so einem Fall auch die ordnungsgemäße Deklaration nur sehr begrenzt.

Den weihnachtlichen Hauch von Luxus bekommt diese Seife durch die Zugabe von Seidenpulver und einen üppigen Anteil Mandelöl in der Rezeptur.
Und beim Abwaschen der Blockform konnte ich schon deutlich erkennen, wie schön diese Seife mit viel cremigem Schaum verwöhnt.

Als nächstes plane ich eine Seife mit Schoko-Pfefferminzduft, die ich dann auch wieder hier vorstellen werde.

Außerdem habe ich gestern diverse Seifen gestempelt und an den Kanten entgratet. Die angefallenen Schnipsel werde ich noch weiter zerkleinern und dann werden meine beiden Jungs und ich Seifenbälle kneten und daraus "Seife am Seil" machen. So haben sie auch das Gefühl, nicht von meinen Aktivitäten ausgeschlossen zu sein, und dürfen das Erfolgserlebnis genießen, "selbstgemachte" Seife zu Weihnachten zu verschenken. Beim Zweijährigen wird es wahrscheinlich einfach nur fröhliches Herummatschen und Anarchie in der Küche werden, aber mein Vierjähriger wird sehr viel Spaß dabei haben und bestimmt ansehnliche Ergebnisse erzielen.

Er kann so ausdauernd sein, wenn er was wirklich mit aller Hingabe erreichen will.
Beim Filzworkshop bei der Konfirmandenfreizeit hat er auch mitgewerkelt und ich war erstaunt, mit welcher Ausdauer und Geschicklichkeit mein Vierjähriges Kind zwischen all den Teenagern saß und gefilzt hat.
Es war übrigens nicht mein Sohn, der dann nach der Hälfte der Arbeitszeit gefragt hat, ob es denn noch lange dauere...insofern war jener Filzworkshop die Mühe und den Aufwand schon dafür wert, dass ich eine neue Erkenntnis über mein Kind bekommen habe.

Neben all den Grundwerten, die man seinen Kindern mitgeben sollte in dieser Welt, gehört die Erfahrung des Selbermachens unter Anleitung und später auch in Eigenregie ebenfalls zu den ganz wichtigen Schlüsselreizen.
Mir persönlich haben meine kreativen Aktivitäten und die daraus erwachsende Anerkennung in meiner Jugend sehr geholfen, die nötige Resilienz zu entwickeln, um das Mobbing in der Schule zu überstehen. Wer etwas Schönes werkeln kann, der kann nicht so mies sein, wie das Umfeld einem vielleicht weismachen möchte!

Und darum möchte ich meinen Kindern genau diese innere Kraft und Rettungsinsel weitergeben. Durch Erziehung und ein liebevolles Elternhaus, aber auch durch solche kreativen Erfolgserlebnisse.

Bastelt doch mal wieder mit Euren Kindern, Enkeln, Nichten, Neffen, Nachbarskiddies...die Herbstzeit mit den Laternen und die kommende Weihnachtszeit bietet wunderbare Anlässe für schöne gemeinsame Nachmittage! Und ihr macht sie stark und lösungsorientiert für diese Welt, auf die sie losgelassen werden.

Alles Liebe,
Postpanamamaxi

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Umtriebiger kleiner Kobold

Unser kleiner zweijähriger Kobold hat heute wieder alles gegeben:

Morgens früh war die Windel übervoll, also kam der junge Herr in den ungeplanten Genuss eines Bades in der Wanne.
Badewanne liebt er und ich grinse jedesmal glücklich, wenn ich meinen kleinen Nackedei voller aufgeregter Begeisterung Richtung Wanne flitzen sehe.

Kaum in der Wanne, stellt sich der kleine Mann mit rausgedrücktem Bäuchlein hin und lässt einen Strahl Pipi ins Wasser plätschern. Natürlich nicht ohne stolzen Kommentar: "Da, oooh, Pipi!"

Egal, das verteilt sich im Wasser und Urea ist ja sogar hautpflegend.


Nach Abschluss der Wasserspiele mache ich im Schlafzimmer nebenan die Betten und horche dabei immer wieder rüber, ob auch alles in Ordnung ist.

"Plitsch! Plitschhh!"

Kröti schippt andächtig das Wasser mit dem Zahnputzbecher aus der Wanne heraus.
Also Verwarnung seitens Mama, und als es nochmal "Plitsch!" machte, war der Zahnputzbecher weg.
Protestgeheul.

Während die ignorante herzlose gemeine Mama also wieder Betten macht, hört sie lautes Rufen aus dem Badezimmer: "Maaaamaaaa, bah! Maaaaamaaaaa!"

Kröti steht in der Wanne, hinter ihm treibt ein kleines braunes Häufchen. Offenbar war nicht alles in der Windel gelandet. U-Boote gejagt, Wanne geleert, ausgespült, Kind abgeseift und abgespült. Protestgeheul.
Herzlose gemeine Mama wuchtet Kind aus der Wanne und bringt es in trockene Tücher.

15 Minuten später.
Herzlose gemeine Mama ist mit der Brut in der Küche und füttert die Meute mit Müesli und Milch.
Milch aus dem Glas trinken? Iiiiihgitt! Auf was für Ideen kommt die denn? Aber im Müesli mögen sie die Milch. Heinis!

Kröti hat keinen Appetit auf Müesli und haut stattdessen mit dem Löffel rein, dass es spritzt. Mama nimmt Löffel und Schüssel weg. Protestgeheul.

Und der "Buda", also der große Bruder, bekommt auch noch beherzt eine vom kleinen Buda gelangt, weil er gewagt hat, genau den falschen Hochstuhl zu nehmen. Wobei beide Jungs abwechselnd mal den einen oder den anderen bevorzugen.
Herzlose gemeine Mama hat da einfach kein Verständnis für die Bedürfnisse einer kleinen Terrorkröte.

Mama räumt Geschirrspüler in der Küche ein und schneidet Seifenblöcke, Kröti und sein Buda sind im Wohnzimmer. Mal rübergelauscht - alles ruhig, glücklicherweise keine Keilerei zwischen Kain und Abel zu hören - also weitergewerkelt.

Nach 10 Minuten guckt die Mama dann mal in die Wohnstube rein und stellt fest, dass Kröti in wetterbedingter Ermangelung der Sandkiste eben zum Spielzeugbagger gegriffen hat und in den Blumentöpfen umfangreiche Erdarbeiten begonnen hat.

Auf meiner Fensterbank könnte man jetzt Rüben säen...
Herzlose gemeine Mama nimmt der Kröti den Minibagger weg und schimpft. Dabei ignoriert sie seine kleinkindlichen Bedürfnisse nach Erdbespaßung.

Während die Mama mit dem Staubsauger anrückt, verdrückt sich das Kröti schmollend in die Ecke.
Auf die Frage, was es dort treibt, kommt die Antwort "Malen, Mama!"
Malen mag die Kröte gern (siehe den Post über das Sofa), das beruhigt sie immer.

Was der Mama entgangen ist, ist der Umstand, dass Kröti sich die Fernbedienung vom Fernseher geschnappt hat und mit dem Buntstift eine dekorative Oberflächenverschönerung vornimmt.
Herzlose gemeine Mama entwindet der Kröti Buntstift und Fernbedienung und kommentiert es mit "Nein, Kröti, lass das bitte. Die Fernbedienung darfst du nicht anmalen. Nimm Papier zum Malen und Mama freut sich ganz doll über deine Bilder."
Protestgeheul.

Während Mama die Fernbedienung wieder herrichtet, verdrückt sich Kröti. Nach ein paar Minuten findet sich die Kröte in der Küche an, wo vor Ausbruch des Chaos gerade Seifenblöcke aufgeschnitten und zum Trocknen in die Kisten verfrachtet wurden.
Kröte hat sich netterweise nicht das Messer genommen und stattdessen vorgezogen, die Kiste mit den 3 rosa Seifensorten nach seinem eigenen System neu zu ordnen.

Herzlose gemeine Mama schimpft los, stutzt dann...und lacht einfach nur noch über die Umtriebigkeiten der Kröte. Seife wird wieder nach Mamasystem geordnet, und dann wird mit der Kröte gemeinsam auf dem Teppich gespielt, damit hier nicht noch mehr Chaos ausbricht.

Ein ganz normaler Tag als Mama von Kröti und seinem großen Buda.
Und abends frage ich mich dann, was ich eigentlich den ganzen Tag so getrieben habe.

Lieben Gruß,
Postpanamamaxi

Dienstag, 25. Oktober 2011

Begegnung am Nachmittag

Gestern nachmittag musste ich noch einige Pakete zur Post bringen.

Auf dem Rückweg zu meinem Wagen kreuzte ein Kleinwagen mit zwei sehr jungen Männern und zwei Kindern meinen Weg. Das größere Kind, geschätzte 5 Jahre jung, saß auf der Rückbank auf einer dieser sogenannten Sitzerhöhungen, die zwar lt. Norm zugelassen sind, aber praktisch keinen nennenswerten Sicherheitsvorteil bieten.

Das kleinere Kind, unter 2 Jahre jung, saß auf dem Schoß des Beifahrers.

Es gibt Dinge, da kann man nicht hinsehen.
Weil sie einem die Seele aufwühlen und den Frieden rauben.

Aber es sind genau diese Dinge, wo man nicht wegschauen darf.
Wo man hingehen muss und sich notfalls gepflegt unbeliebt machen muss.

Weil es um Kinder geht, die sich nicht selbst schützen können, und die nicht über ihre eigene Sicherheit entscheiden können.

Also bin ich zu dem Wagen gegangen und habe die beiden Männer angesprochen mit ruhigem Tonfall.

"Ihr wisst, dass das furchtbar riskant ist, was Ihr da mit dem kleinen Mädchen gemacht hat."
- "Ja, wissen wir."

"Habt Ihr denn keinen Kindersitz für die kleine Motte?"
- "Da ist die Mutter mit weggefahren."

"Das ist mir auch schon passiert, dass mein Mann mit den Sitzen für meine Jungs weggefahren ist und ich dann zuhause mit den Kindern festsaß. Aber dann bleibt man eben zuhause. Dann gibts halt kein Abendessen wie geplant, sondern Müesli und fertig, aus.
Oder ein Erwachsener bleibt dort, hütet die Kinder, und der andere erledigt dringende Besorgungen eben allein."
- "Ja, war nicht so gut..."

"Ist ja gut, dass Ihr das einseht. Denkt bitte dran, den Fehler macht Ihr, und die Kleine muss es bei einem Unfall dann ausbaden. Das wollt Ihr nicht auf Euer Gewissen laden, Ihr habt die Kleine doch lieb!"

Die Jungs versuchen, meinem Blickkontakt auszuweichen. Aber sie bleiben stehen und hören mir zu, auch wenn es ihnen nicht gefällt, dass ich ihnen ihren Fehler auf den Kopf zusage.
Ob ich zu ihnen durchdringen kann und sie auf der emotionalen Schiene erwische? Es wäre wünschenswert, denn dass sie einen Fehler gemacht haben, ist ihnen auf der rationalen Ebene durchaus bewusst.

Männer kann man gut bei ihrem meistens angeborenen Verantwortungsgefühl packen, wenn man es wecken kann. Denn oft ist es verschüttet, es fehlt ihnen am Schritt zur Mann-werdung. In unserer Gesellschaft gibt es keine Initiation mehr, die sie emotional weiterbringt und ihnen hilft, sich zu entwickeln.
Bewusste Männer wollen ihre schutzbedürftiges Umfeld beschützen, weil dies ein Teil ihres Mann-seins ausmacht. Wie oft macht die Fürsorge für ein Kind aus einem Mann einen Menschen mit Vater- und Partnerqualitäten.
Genau das habe ich vor, zu erwecken.
Denn diese jungschen Männer mögen zwar volljährig sein, aber vom Erwachsensein sind sie noch weit entfernt.

"So eine kleine süße Maus, die ist doch bestimmt noch keine zwei Jahre alt, stimmts?"
Nicken.
"Und wie vertrauensvoll sie sich an Dich kuschelt, da geht einem das Herz auf. Die hat Dich wirklich gern, das sieht man.
Die Kleine kann noch nicht selbst entscheiden, ob und wie sie im Auto gesichert werden will. Das müsst Ihr tun als Erwachsene. Sie vertraut Euch doch auch in dieser Hinsicht und ist auf Euch angewiesen.
Wenn Ihr selbst meint, unangeschnallt fahren zu müssen, und Ihr geht beim Unfall drauf, dann ist das Euer Ding. Aber wie wollt Ihr weiterleben, wenn ihr die Kleine nicht sichert und es passiert etwas? Selbst wenn der andere Fahrer den Unfall verursacht: Wenn der Kleinen was passiert, seid Ihr die Schuldigen und werdet Eures Lebens nicht mehr froh."

- "War echt nicht so schlau von uns..."

"Nee, war es nicht. Aber Ihr habt Glück gehabt, es ist nichts passiert und ich glaube, Ihr werdet Euch jetzt auch bewusster um die Sicherheit der Kinder kümmern. Ihr habt die Chance, es besser zu machen. Ich will Euch auch nicht fertigmachen.
Aber ich weiß, wie es ist, wenn ein Kind auf dem Friedhof liegt und es macht keinen Spaß, es dort zu besuchen. Das verändert einen, da kann man dann nicht mehr gelassen die Klappe halten." (Dass es "nur" 4 Fehlgeborene waren, müssen die Jungs nicht wissen. Kind ist Kind.)

Erleichtertes Grinsen. Die hatten wahrscheinlich eine hysterische Gutmenschenmuddi erwartet, als ich rüberschlenderte.

"Wenn Ihr noch einen ordentlichen und praktischen Sitz für die Lütte braucht, mein Jüngster hat einen abzugeben. Ist zwar nicht mehr der schönste Sitz und der Bezug hat etwas gelitten, aber es ist ein Markenteil, unfallfrei und genau in der Größe, die die Süße brauchen kann. Hier ist meine Nummer, und ruft mich ruhig an. Ich schenk ihn Euch von Herzen gern, wenn ich weiß, dass er die Süße beschützt."

Ich gebe ihnen lächelnd meine Nummer, und der eine junge Mann schreibt sie sich auf. Er lächelt vorsichtig.

Vielleicht ist er nur froh, dass ich ihm und seinem Kumpel nicht gleich den Kopf abgerissen habe.
Aber:
Vielleicht habe ich auch sein Herz erreicht und dort etwas in Bewegung gesetzt, das den Kindern zugute kommen wird.

Man braucht ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen. (afrikanisches Sprichwort)
Und Leute, die nicht wegschauen, sondern handeln.

Bitte handelt auch, wenn Ihr sowas seht. Die Kleinen brauchen uns und unseren wachen Verstand, denn sie können sich nicht selbst schützen, wenn ihre Bezugspersonen nicht für ihre Sicherheit sorgen.

Nachdenkliche Grüße,
Postpanamamaxi

Montag, 24. Oktober 2011

Rosarote Zeiten

Ist dies nicht eine traumhafte Marmorierung? Ich habe mal wieder Lust auf einen Taiwan-Swirl gehabt und finde, diese ist mir richtig gut gelungen (nach dem Entnehmen der Trennstege wird erst quer, anschließend längs mit dem Stäbchen durch den Seifenleim gezogen).

Gefärbt wurde die Seife mit einem Hauch TiO im hellen und Brilliantrosa im rosafarbenen Anteil. Das Prachtstück duftet nach Erdbeer-Rhabarber, einem meiner absoluten Lieblingsdüfte. Auch wenn es vielleicht nicht in die Jahreszeit passt - ich bin von Haus aus ein Typ, der fruchtige und grüne Düfte bevorzugt.
Vor dem Anschnitt
Der 30cm-Block wird in 5cm breite Scheiben geteilt.
Ist dieses Muster nicht der absolute Traum?
Der Trick beim Taiwan-Swirl besteht aus zwei Teilen:
Das Befüllen der Form mit Hilfe der Trennstege ist der erste Trick, der zweite Trick kommt beim Aufschneiden zum Zuge.
Auf obigem Bild kann man sehen, wie die Seifenscheiben aussehen würden, wenn man sie einfach wie gewohnt vom Block abschneiden würde. Man hätte 5 mehr oder weniger sauber getrennte senkrechte Streifen.

Damit die Marmorierung richtig schön sichtbar wird, müssen wir rund 5cm dicke Scheiben vom Block abschneiden und diese wiederum waagerecht halbieren. So schneidet man quer zum Farbverlauf und bekommt ein hübsches Muster.

Diese Spezialform von Soapspace wird immer mehr zu meiner Lieblingsform!

Waterlily und Currant in the sun
Diese beiden leckeren Prinzesschenseifen habe ich ebenfalls am Samstag gesiedet. Eigentlich bin ich weder der Prinzessinnen- noch der Rosatyp, aber zu diesen Düften gibt es einfach keine farbliche Alternative.

Innenansichten der Prinzessinnenseife
Seitdem mir meine Freundin "Aromaharmonie" ihr Döschen mit TiO vermacht hat, bin ich ganz vernarrt in die Möglichkeiten dieses Stoffes. Außer in Seife finden wir TiO auch in Deckweiß und in der Wandfarbe.

Aber wusstet Ihr, dass die TiO auch in der Glasur von Zimtsternen verwenden, damit sie richtig schön weiß wird? Und ich wunderte mich immer, warum meine Glasur nicht deckend-weiß wird...

fertig geschnittene Prinzesschenseifen
Und dies ist dann das Endergebnis meiner heutigen Abendbeschäftigung gewesen. Vorher habe ich rund eine Stunde lang sämtliche Töpfe und Schüsseln in meiner Seifenküche geschrubbt und anschließend noch durch die Spülmaschine geschickt, damit es dort wieder akzeptabel aussieht und die nächste Seifenschlacht losgehen kann.

Das Aufschneiden der Seifenblöcke, was mir immer wieder ein großes spannendes Vergnügen ist, habe ich mir anschließend zur Belohnung gegönnt. Und hinterher kam dann nochmal ein Abwasch auf mich zu, denn die Seifenformen mussten schließlich auch noch gereinigt werden!

Aber es war in Ordnung. Die Kinder schliefen fest, das Telefon war ruhig. Im Radio lief ein nettes Konzert und ich konnte mit den Gedanken abschweifen, während ich meine Arbeit erledigte.
Seifenschneiden kann meditativ sein.

Viele liebe Grüße,
Postpanamamaxi

Ein ganz normaler Chaos-Samstag

Schon wieder ist ein Wochenende vorbei und ich frage mich, was ich eigentlich mit all der Zeit gemacht habe.

Ich hatte die Gelegenheit gehabt, mit meinen Wikingerfreunden zum Stoffmarkt nach Hamburg zu fahren und dort einen netten Tag zu verbringen. Mein Mann hätte bereitwillig den Kinderdienst übernommen und mir den freien Tag gegönnt (auch wenn er sicherlich Recht damit hat, dass ein Schrank voller Stoffe den Besuch des Marktes nicht unbedingt aus textiltechnischen Gründen notwendig gemacht hätte). Die simple Tatsache, dass er mich trotzdem hätte losziehen lassen, finde ich sehr liebenswert von ihm. Er weiß, wieviel Freude mir so ein Marktbesuch macht, und gönnt ihn mir, auch wenn es für ihn einen besonders stressigen Tag und noch ein paar Stoffe in meinem Schrank bedeutet.

Und dann hat mein Mann die Gelegenheit bekommen, gemeinsam mit einem Bekannten die Radlager seines Wagens zu reparieren. Weil dieser über das notwendige Spezialwerkzeug verfügte, war das natürlich ein verlockendes Angebot.
Schon seit mehreren Wochen hatte er davon gesprochen, dass er das typische Grummeln beim Fahren hören würde und dass er diese ungeliebte Reparaturarbeit nicht mehr lange aufschieben wollte. Ich habe es auch deutlich gehört mit meinen ungeübten Ohren.

Was für mich aber bedeutete, dass er einen kinderfreien Nachmittag brauchte.
Und dass damit mein freier Tag auf dem Stoffmarkt erledigt war.

Dafür hat mein Mann jetzt ein heiles Auto und mein Wagen hat wieder Winterreifen an den Rädern, und seine Freude über das viel ruhiger laufende Auto hat es mir gelohnt, auf meinen Ausflug zu verzichten.
"Hörst du, da ist kein Grummeln mehr zu hören und das Auto läuft wieder wie ein Neuwagen!"
Wer kann angesichts solcher Erfolgserlebnisse noch um einen nichtbesuchten Stoffmarkt trauern?

Am Ende lief mein Samstag dann so:
Ich hatte vormittags kinderfrei und konnte die Wäsche sortieren und maschinenweise abschicken sowie Pakete für den Versand vorbereiten. Außerdem konnte ich in aller Ruhe die Fette, Öle und Lauge für einen umfangreicheren Siedevorgang vorbereiten.

Mittags habe ich dann die Jungs übernommen und versorgt, und wäre mir nicht mein Bruderherz mit seiner Tochter und seiner Freundin unerwartet dazwischengeplatzt, hätte ich auch noch schnell den Einkauf im Großmarkt geschafft.

Als die Bruderfamilie dann hinauskomplimentiert war, war der Großmarkt natürlich schon geschlossen. Also blieb mir der Supermarkt zum Einkaufen.
Bruderherz, ruf doch nächstes Mal einfach vorher an und gib mir eine Chance, vorbereitet zu sein und Zeit für Euch freizuschaufeln. Du bist so selten bei uns zu Besuch, da wollen wir doch auch Zeit füreinander haben!

Wieder zuhause habe ich den Zweijährigen schleunigst zu einer verspäteten Mittagsstunde ins Bett verfrachtet, die er auch dankbar annahm. Dadurch, dass wir durch den Besuch eine Stunde hinter dem Plan zurücklagen, war der Kleine natürlich übermüdet. Ich versuche immer, solche Verschiebungen seiner Schlafenszeiten tunlichst zu vermeiden.

Abends waren mein Mann und ich dann zu Freunden zu einer kleinen Abendgesellschaft eingeladen anlässlich ihres Hochzeitstages. Also habe ich flott das Dessert zubereitet:


Ambrosia (nach dem Rezept von Angelika - die ich sehr vermisse)
für 6 Personen


500g Vollmilchjoghurt
100g Schlagsahne (kann auch weggelassen werden)
Saft von 1/2 Zitrone
1/2 Vanilleschote
150g (oder nach Geschmack auch mehr) Zucker
8 Blatt rote Blattgelatine
2 Schnapsgläser voll Rum
1 Glas Sauerkirschen
1 Becher Schlagsahne (200ml-250ml)
2 EL Raspelschokolade


Zubereitung:
Blattgelatine in kaltem Wasser einweichen.
Joghurt und Sahne mit dem Zucker, dem Zitronensaft und dem Vanillemark gründlich mit dem Mixer verrühren. 
Eingeweichte Gelatine abtropfen lassen, in einer Schale in der Mikrowelle vorsichtig erwärmen und auflösen.
Diese aufgelöste Gelatine langsam zur Joghurtmasse dazugeben, die dabei ständig mit dem Mixer gerührt wird (so vermeidet man die Bildung von Gelatinefäden).
Rum zufügen. 
Jetzt abschmecken.
Tipp: Wenn man Gelatine verwendet, sollte man immer nach der Zugabe abschmecken, weil sie die Wirkung von Gewürzen, Salz, Zucker und Zitronensaft dämpft.


Die Joghurtmasse in die Schüssel füllen. Für mindestens 1 Stunde im Kühlschrank erstarren lassen.


In der Zwischenzeit die Sauerkirschen aus dem Glas abgießen und abtropfen lassen.
Diese Kirschen werden auf der erstarrten Joghurtmasse verteilt.


1 Becher Schlagsahne steif schlagen, auf den Kirschen verteilen. Als Deko kann man diese Sahneschicht noch mit Schokoladenraspeln bestreuen.


Und als dann das Dessert im Kühlschrank stand, habe ich flugs die Seife fertiggemacht:

1 Block mit Waterlily
1 Block mit Erdbeer-Rhabarber (ich weiß, es ist nicht die Jahreszeit, aber der Duft wird geliebt)
1 Block mit Johannisbeerduft (Fruchtseife geht immer)
1 Block und 1 18er Divi mit Pattys Plum Pie und Christmas Spice (mein Beitrag zum "Die Schöne und das Biest"-Wichteln im NSF)
1 Dreifachblock mit African Tea (weil das für mich der absolute Herbstduft ist, lecker, sahning, warm)

An Aufräumen war natürlich nicht mehr zu denken.
Aber ich ziehe es ohnehin vor, die Gefäße erst einen Tag später abzuwaschen, denn dann hat man es nicht mehr mit einer Mischung aus Fett und Lauge zu tun, sondern mit frischer Seife. Was wesentlich angenehmer ist in der Handhabung.

Und für morgen gönne ich mir dann das Vergnügen des Ausformens und Aufschneidens der Blöcke.

Viele liebe Grüße
Postpanamamaxi

PS:
Ich möchte aus gegebenem Anlass auf eine Homepage aus meiner Sidebar hinweisen:
www.unendlich-klara.confox.net
Klara ist die Tochter einer Weggefährtin, die zur Freundin geworden ist.
Ohne Klara und die Meinen hätten wir uns nie getroffen.
Klara wäre Sonntag 5 Jahre alt geworden, wenn ihr Leben nicht schon nach wenigen Tagen geendet wäre.
Ihr Weg endete damit, dass sie ihre Eltern auf einen neuen Weg geschickt hat.

In all dem Trubel, mit dem wir uns umgeben, und mit all der Lebenfreude und Aktivität in unserem Dasein sind es oftmals diese Ereignisse und die Erinnerungen daran, die uns innehalten lassen und mit Nachdenklichkeit erfüllen.
Im besten Fall bleibt nach ein paar Jahren neben der durchlebten Trauer auch ein Gefühl der Dankbarkeit.

Klaras Eltern haben wieder leben und lachen gelernt. Es gibt eine neue Zukunft für sie, auch wenn sie ganz anders aussieht als dereinst geplant. Aber sie ist schön, diese neue andere Zukunft, und sie beinhaltet auch neues Glück und neue Freude.
Und Klaras Eltern ermutigen dazu, seinen ganz eigenen authentischen Weg durch die Trauer zu gehen, denn nur dann wird auch die Freude wieder möglich.

Klara, ich danke Dir! Und grüß die Meinen. Liebe ist, und wird es immer bleiben.
Ihr seid es, die dem Leben Eurer Eltern Schatten, Schärfe und Tiefe verleihen.
Ohne Euch wären wir nur bunte Helligkeit und zweidimensional.

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