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Montag, 5. März 2012

Perliges...

Noch ein Geburtstagsnachtrag:

Kennt jemand Torben Barthelmie? Aber wer sich auf anspruchsvollen Reenactmentveranstaltungen herumtreibt, wird ihm vielleicht schon begegnet sein. Oder seinen Arbeiten.
Er ist nämlich der Glasperlenmacher.
Wenn es etwas gibt, was man über Glasperlen wissen kann - er weiß es.

Und in dieser Funktion hat er sich nicht nur mit der Kunst der Glasperlenherstellung nach historischen Funden befasst, sondern auch mit der Frage, wie man sie denn damals getragen haben mag.



Dummerweise waren die Wikinger ein äußerst schreibfaules Volk, was vielleicht auch darin begründet sein mochte, dass es einfach mühsam ist, seine Runen in Holz, Knochen oder Stein hineinzukratzen. So ein Runenstein ist äußerst unhandlich und untragbar als Notizblock!
Da würde sogar ich lernen, mich kurz zu fassen!

Weil es also keine Aufzeichnungen hierzu gibt, dann kommen die Archäologen zum Zuge, und zwar die von der grabenden Abteilung mit Schippchen, Pinsel und Zeichenblock.

Ihrer langwierigen und mühseligen Arbeit verdanken wir viele interessante Funde. Grabfunde, um genauer zu sein. Denn die Wikinger glaubten, dass man für die Reise ins Jenseits diverse Teile seiner Ausrüstung und auch seine Statussymbole dabeihaben musste.
Das, was damals den Toten mitgegeben wurde, erzählt uns heute ganz viel über das Leben der Wikinger.
 
Diesen Funden widmet sich Torben Barthelmie in seinem Buch "Wie trägst DU denn deine Perlen?" für die weibliche Wikingerwelt und im Folgeband "Wo kommt DER mit seinen Perlen her?"

Und räumt in gut lesbarer Weise auch noch gleich mit ein paar "Mythen" der Wikingerszene auf.
So sind die meisten Perlenketten nicht symmetrisch aufgefädelt gewesen, sondern eher bunt durcheinander. Woraus sich schließen lässt, dass den Wikingern die einzelne Perle wahrscheinlich wichtiger war als ihr Platz in einem Ensemble.

Und man konnte Perlen auf viel mehr unterschiedliche Arten tragen als nur zwischen den Fibeln hängend.
Es gab ein- und mehrreihige Perlenketten, mehrreihig mit Kettenverteilern oder komplex gefädelt.
Außerdem konnten sie als Strang getragen werden, also senkrecht herabhängend (vielleicht als dekorative Aufhängung von Schere oder Nadeldose?). Und natürlich als Besatzschmuck an Gewändern oder Taschen. Und dann gab es noch eine Reihe von Perlen, deren Funktion man aus der Grablage nicht erschließen konnte und die wahrscheinlich so etwas wie Beigaben gewesen sind.

Je nach Perlenmodell und Art der Tragweise konnte man teilweise sogar erkennen, woher die Trägerin stammte bzw. woher ihr Schmuck kam, und gemeinsam mit den Fibeln konnte man auch Rückschlüsse auf den Zeitraum anstellen.

Und was lerne ich daraus? Zweierlei.
Erstens werde ich wohl meine Fibeln in dieser Saison andersherum tragen, denn die Bohrungen für die Kettenhaken waren lt. Birka-Fund OBEN und nicht unten, wie es in der Reenactorszene allgemein gehandhabt wird.
Und zweitens werde ich meine Glasperlenkette entrümpeln, die Symmetrie aufgeben und nach dem Motto "weniger ist mehr" verfahren. Wenn man bedenkt, dass eine Perle in Haithabu durchaus gegen 10 Hühner gehandelt wurde, kann man sich also vorstellen, was so ein Schmuck mit 30 Perlen vermitteln würde. Wikinger haben sich gern geschmückt und ihren Erfolg auch damit repräsentativ zur Schau gestellt - aber die wenigsten waren mit Schmuck behangen wie Mister T aus dem A-Team.

Und meiner Freundin, der lieben Asenreiterin, danke ich von Herzen für dieses tolle Buch. Es wird nicht lange so unbenutzt aussehen...aber dafür ist es auch gemacht worden.

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