Mittwoch, 14. November 2012

Ich habe nicht geweint

Und wieder ist ein Jahr vorüber.
5 Jahre sind jetzt vergangen, Jahre voller Trauer und Hoffnung, voller Angst und Mut, voller Trubel und Jubel.
Das volle Programm Familienleben.

Ich vermisse sie noch immer, aber es tut nicht mehr so unendlich weh wie in der Anfangszeit.
Ich komme über die rechnerischen Entbindungstermine hinweg, ohne zu stolpern. Manchmal fällt mir erst eine Woche später auf, dass es wieder mal so ein "blöder Tag" war, der schon wieder hinter einem liegt.

Zuerst war es wie ein Schlag in den Magen, man spürt nichts, man ist einfach nur atemlos und klappt zusammen.
Ich glaube, ich werde nie vergessen, wie still es auf einmal wurde. Stille, so dick wie eine Wolldecke, die sich über alles legt und den Raum eng werden lässt.
Stille, die nur durch das fröhliche Quietschen des zehnmonatigen Bruders im Wartezimmer unterbrochen wird.

Dann kommt die Atmung wieder, aber auch der Schmerz, der irgendwann dann nach sehr langer Zeit zu einem dumpfen Ziehen schrumpft.

Und jetzt? Der Schmerz ist ausgestanden. 5 Jahre sind vorbei.

Was bleibt, sind Phantomschmerzen, wenn ich Zwillinge in dem Alter sehe, in dem sie jetzt gewesen wären.
Und Dankbarkeit, wenn ich ihren jüngeren Bruder herumtoben sehe. Dankbarkeit, dass ich doch nochmal den Mut fand, und dass dieser Mut belohnt wurde.


Es ist gut so, wie es ist.
Ich lebe, wir leben. An meinem Tisch sind 2 Stühle besetzt und 4, deren Besitzer nie hier ankamen.
Trotzdem wird bei uns gelacht, gelebt, dem Schicksal lächelnd die Zähne gezeigt.

Was denn auch sonst! Die Jungs brauchen eine fröhliche Mutter, und ich brauche das Fröhlichsein auch.
Traurigsein passt nicht zu mir, hat mir mal jemand gesagt, und es stimmt.

Ich sprach heute mit einer Freundin, Wegbegleiterin, die dieselbe Erfahrung durchgemacht hat.
Und wir konnten sprechen, ohne zu weinen. Das Geschehene annehmen, von allen Seiten betrachten.

Wir sind es müde, zu weinen.
Wir sind es müde, uns immer wieder die Wunden aufzukratzen.
Wir sind es müde, uns einreden zu lassen, dass diese Trauer niemals aufhört und wir uns damit abfinden müssen, den Rest des Lebens mit der Trauer herumzulaufen, so wie mit einem Stein im Schuh.

Wir sind trauermüde. Und was bleibt, ist etwas, das ich als "lebenswach" bezeichnen möchte.

Wir laufen weiter. Machen unser Ding. Freuen uns an dem, was wir haben, und das ist verflixtnochmal sehr viel!

Und irgendwann merkt man, der Schmerz ist weg.
Und das ist gut so.






Kommentare:

  1. Das sind starke Worte einer starken Frau! Schön, dass Du jetzt ohne Schmerz zurückblicken kannst.
    Ich wünsche Dir weiterhin alles Liebe
    Alice

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  2. ...ich drück dich...
    tonlos und von weitem.

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  3. Lass Dich einfach nur mal drücken...

    GLG
    Dagmar

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  4. Ich kann es dir so gut nachfühlen. Bei mir dauert es noch ein Weilchen aber ich blicke nach vorn.
    Ich drück dich...Dany

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    1. Dany,
      das wird. Vertrau mir da einfach. Du bist genau wie ich nicht die Sorte Mensch, die ewig nur an das denkt, was nicht sein konnte, und lieber die Gedanken auf das richtet, was wir bekommen haben. Und das ist eine ganze Menge!

      Knuddel das, was Du hast, ganz lieb von mir.

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  5. Schönes wenn auch sehr trauriges Posting. Sei lieb gegrüßt

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    1. Meine Zwillies...sie wären besondere Kinder gewesen. Unzertrennliche.

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  6. Auch ich drück euch ganz feste
    Liebe Grüße und festen Drücker
    Marina

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  7. hallo...

    vor einem jahr um diese zeit haben wir uns kennengelernt, und nun stoolper ich wieder bei dr rein und denk, so ein sch....--es war so viel los im letzten jahr, hab ausgemistet und vieles nach hinten gedrängt..zur zeit suchen wir eine neue bleibe weil unsere "nette 2 vermieterin zum 31.12 . uns wegen eigenbedfarf gekündigt hat..im dicken schnee..die alte...!! und dann komm ich runter---weil ich bei dir lese..und muss an dich denken...meine sorgen sind so winzig....was musstest du durchmachen:-/// es ist schön zu lesen, das der schmerz nachlässt und die erinnerungen bleiben...ich drück dich fest und denk an dich. es tut mir so leid....und ...ich werde nun wieder öfters bei dir reinschauen. lg sendet die die sonnengewand aus dem fichtelgebirge:-))

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    1. Hallo Du Liebe, ich lese bei Dir immer mit seit unserem Kennenlernen letztes Jahr.
      Probleme relativieren sich durch den Blickwinkel, und subjektiv ist das eigene immer das brennendste. Als mein Kleiner sich gestern beim Spielen die wunderschönen Haare bis auf die Kopfhaut runtergeschnitten hat, habe ich auch erstmal gestöhnt und mir Gedanken gemacht. Aber dann hat er mich so frech angegrinst und sah so charmant aus trotz oder wegen seiner zerrupften Frisur, dass ich wider Willen lachen musste.
      Und dann dachte ich an die Kinder, die keine Haare haben, weil sie operiert wurden oder Chemotherapie bekommen. Und wie winzig mein Frust über die für die nächsten 6 Monate verdorbene Frisur meines Dreijährigen doch ist. Luxussorgen.

      Und trotzdem drücken sie, auch Deine Wohnungssorge drückt Dich und hat ihre Berechtigung.
      Da kommt bestimmt eine schönere Wohnung auf Dich zu, warte es ab und bleib mutig.
      Warum ich das denke?
      Weil ich heute nach dem Friseurbesuch einen kleinen frechen Jungen mit Mecki hatte, dessen wunderschöne Augen mit langen Wimpern jetzt viel besser zur Geltung kommen.

      Alle Veränderung birgt auch ihr Gutes und das will gefunden werden.

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    2. halloooooo:-))

      ganz lieben dank für deine antwort....ich weiss gar nicht was so geschieht, meine bekannte(heilpraktikerin) sagt immer, a...alles ist im wandel..es ist halt 2012:-)) die hat aber sowas von recht, erst stäöhn ich über die vermieterin, dann freu ich mich, weil ich auf neumond meine familie in canada nach über 25!! jahren wiederfinde, nun post vom amt...solch arschlö...!!!! und immer dran denken:-)) in der ruhe liegt die kraft....---und dein sohn...ja, das kenn ich...meine schwester hat sich von heute auf morgen damals ihren zopf ohne mama zu fragen abgeschnitten und der sohn meiner freundin hat mit seiner cousine auch frisör gespielt:-)) beide mecki:-)) ich denke..du hast echt recht..abschneiden bedeutet auch immer..platz für neues schaffen, neuen wachstum etc. und dein sohn sieht bestimmt süss aus:-))) ich drück dich und freu mich auf mehr kontakt:-)) ggglg die sonnengewand^^v^^

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  8. Auch ich mag Dich ganz feste drücken...

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  9. Lebenswach!
    Danke auch dafür!
    Der November ist schon ein seltsamer Monat...

    Ich denk an dich!
    Astrid

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    1. Und ich denke an Euch, denn es ist auch Euer Monat.

      Auch Du hast einen Abschied auf Raten erlebt und hinterher lernen müssen, gegen alle negativen Erfahrungen doch das Hoffen neu zu wagen. Und gewonnen.

      Manchmal ist Kinderkriegen auch der Sieg der Hoffnung über die Erfahrung, und es sind diese Kinder, die den anderen Mut machen, auch wieder zu hoffen.

      Weißt Du, Papierdrachen steigen auch nur GEGEN den Wind auf.

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