Samstag, 23. April 2011

kritische Ostergedanken, trotzdem fröhlich

Tage wie heute machen mich nachdenklich. Mitten im Trubel fällt ein Satz und ich trage ihn dann mit mir herum, nehme ihn immer wieder gedanklich in meine Hände und bewege und knete ihn, bis ich daraus etwas geformt habe, das zu mir selbst passt.

Ich war heute im Ostersamstäglichen Einkaufsgetümmel, die letzten Besorgungen für den morgigen Osterbrunch zu erledigen.
Als die Jungs und ich uns eine Bratwurst an der Bude genehmigten, flog ein ADAC-Rettungshubschrauber über unsere Köpfe hinweg Richtung Krankenhaus.
Unser Krankenhaus ist seit Jahren eine Baustelle. Als ich meinen Großen bekam, wurden gerade eine neue Eingangshalle als Verbindung zu diversen Flügeln sowie ein kompletter neuer Gebäudeflügel gebaut und überall werkelten Handwerker und schweres Baugerät.
Als mein Kleiner geboren wurde, konnten wir schon die neugestaltete Eingangshalle nutzen und in der Cafeteria Cappuccino trinken und dabei zuschauen, wie sie den Eingangsbereich pflasterten und umgestalteten und über dem Schockraum und den zukünftigen OPs eine Hubschrauberlandeplattform errichteten.

Momentan wird das gesamte Haus D entkernt und teilweise abgerissen, und "unseren Kreißsaal und unsere Entbindungsstation" gibt es nicht mehr in der Form. Als Interimslösung ist alles in einem anderen Flügel untergebracht worden, während wieder einmal mit schwerem Gerät geackert wird.

Im letzten Jahr ist dann endlich der alte Hubschrauberlandeplatz am Ende des Geländes aufgegeben worden, weil von nun an die Hubschrauber direkt auf dem Dach des Krankenhauses landen können und die Patienten direkt mit dem Fahrstuhl eine Etage tiefer schnellstmöglich behandelt werden können.
Früher mussten die Patienten, die vom Rettungshubschrauber angeliefert wurden, draußen hinter dem Parkplatz auch noch in einen Rettungswagen umgeladen werden, der sie wiederum einmal über das Gelände in die Notaufnahme brachte. Das hat wertvolle Zeit gekostet und war häufig ein Entscheidungskriterium, Patienten aus unserem Kreis lieber in benachbarte Krankenhäuser zu bringen.

Unser Krankenhaus ist der drittgrößte Klinikbetrieb in Schleswig-Holstein. Und es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass man für viele Dinge nicht mehr unbedingt nach Kiel in die Uniklinik gehen muss und sie nun auch heimatnah, kompetent und ohne Umwege behandeln lassen kann.

Heute an der Wurstbude kam dann eine Beschwerde, dass das wieder so ein Krachmacher sei und dieses Krankenhaus mit seinen nun häufiger gewordenen Helikopteranflügen und auch Anflugübungen eine echte Belästigung geworden sei.

Sicherlich, so ein Rettungshubschrauber macht reichlich Lärm und wenn man gerade gemütlich auf der Terrasse am Kaffeetrinken ist, unterbricht das für ein paar Sekunden die häusliche Idylle und übertönt sogar die nachbarlichen Rasenmäher, Laubsauger und Gartenhäcksler, Holzspalter und Kreischsägen.

Aber muss ich nicht damit rechnen, wenn ich ein Haus in der Nähe des Krankenhauses beziehe? Darf ich als Anwohner auf Erhaltung eines technischen Status Quo aus den 70ern beharren, damit mein Recht auf Ruhe gewahrt bleibt?
Und ist dieses Ruhebedürfnis schützenswerter als die Tatsache, dass durch den neuen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach der Klinik tagtäglich mehreren Patienten minutenlanges Leid erspart wird und eine schnellere Erstversorgung gewährt wird?

Ich habe nur ganz trocken geantwortet: Wer am Teich baut, darf sich auch nicht über Mücken beschweren, und wer beim Krankenhaus siedelt zieht, der muss halt etwas größere Flugobjekte in Kauf nehmen. Dafür wird man jetzt noch besser versorgt und das KH ist schließlich auch ein großer Arbeitgeber (lustigerweise heißt die Wohngegend, wo sich die meisten Anwohner beschweren, seit Jahrzehnten schon Ärzteghetto: große schicke Häuser und erstaunlich viele Ärzte und auch sonstiges KH-Personal, das dort wohnt, also direkte Nutznießer des Krankenhauses auch als Arbeitnehmer).

"Meinetwegen soll mal so ein Hubschrauber denen aufs Dach stürzen, das geschieht denen nur Recht."

Mir wurde eiskalt. Ich habe dann nur gesagt, in ebendiesem KH arbeiten Freunde von mir, die sich auch an Feiertagen, Wochenenden und nachts im Schichtdienst für ihre Patienten einsetzen.
Auch für undankbare egozentrische Typen, die man am liebsten links liegenlassen würde.

Und wenn er mal mit Herzinfarkt oder Schlaganfall ins KH muss, dann sollte der Rettungshubschrauber vielleicht tatsächlich draußen am Ende des Geländes landen und damit 10 Minuten von der "golden hour" vergeuden, damit seinesgleichen beim Kaffeetrinken nicht gestört wird.

Ist er wirklich so weltfremd, ein Egozentriker oder einfach nur charakterlich stark verbesserungsbedürftig?

Ich bin auf jeden Fall froh, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die sich in Berufen wie Arzt/Ärztin, Schwester/Pfleger, Hebamme, MTA, Altenpflege, als Rettungsassistenten und sonstigen Heilhilfsberufen für mehr Lebensqualität, Gesundheit und Gesundung einsetzen.

Ihr seid das Salz der Erde! Und wenn Ihr lärmen müsst, um jemanden zu retten, dann lärmt, denn es ist guter Lärm.

Ich bin froh, dass es Euch gibt, und wenn einer gegen Euch wettert, dann stehe ich an Eurer Seite.

Noch so ein Aufreger: Wusstet Ihr, dass man den Hebammen die Kosten für die Berufshaftpflicht dermaßen erhöht hat, dass viele sich nun nicht mehr leisten können, als Beleghebamme zu arbeiten? Man kann diese erhöhten Versicherungskosten nur damit kompensieren, dass man entsprechend viele Patientinnen annimmt. Und je mehr Patientinnen eine Hebamme hat, desto größer das Risiko, dass sie plötzlich zwei Frauen gleichzeitig entbinden muss, übermüdet ist oder stressbedingte Fehler macht.

Das Ganze läuft darauf hinaus, dass es bald nur noch die festangestellten Hebammen in den Krankenhäusern geben wird, weil die wenigen noch als Beleghebammen arbeitenden Frauen dermaßen ausgebucht sind, dass sie ausbrennen.
Und auch in den Krankenhäusern wird die Personaldecke immer dünner.

Wenn wir also unsere Hebammen nicht schützen, werden alle werdenden Mütter mit ihren Kindern die Rechnung dafür zahlen müssen...

Mehr Infos darüber gibt es auch hier.

Irgendwie sind beide Themen heute symptomatisch für eine Haltung in unserer Gesellschaft, die mir immer mehr Sorgen bereitet. Immer weniger Leute sind bereit, die Verantwortung für etwas zu übernehmen, gleichzeitig werden die Forderungen, dass "irgendwer" sich gefälligst drum zu kümmern hat, immer lauter!

Die Gesellschaft lebt immer mehr nach dem Motto, "essen will ich, aber nicht abwaschen". Jeder will feiern, aber keiner bezahlen.

Und dann kommt die Ostergeschichte ins Spiel.
Jesus ist für uns gestorben, für unsere Sünden, und hat uns damit freigekauft. Er hat die Zeche übernommen, die die Menschen durch ihre großen und kleinen Fehler auf ihre Rechnung gehäuft haben.

Die Auferstehung gibt uns Hoffnung, aber wir müssen uns trotzdem vor Augen halten, dass Gottes Opfer für uns kein Freifahrtschein ist. 

Ostern ist vielmehr eine Einladung an uns, dass wir uns mehr Mühe geben sollen und uns mehr Gedanken darüber machen, was wir tun und sagen.
Es wird uns nicht mit der Hölle gedroht und nicht jeder Fehler wird gnadenlos bestraft werden. Aber letztendlich wird alles, was wir tun oder nicht tun, auf uns zurückfallen.

Ostern bedeutet: Wir haben eine Chance bekommen.
Und das ist schön.

Ich wünsche Euch allen frohe Ostern
reichlich Sonnenschein, laue Luft,
wunderschöne Wichtelpäckchen für alle Wichtelteilnehmerinnen aus dem NSF

Postpanamamaxi

Kommentare:

  1. Wenn man mal so einen Hubschrauber dringend benötigt und er nicht mehr fliegen kann, weil es schon dunkel ist, dann hofft man zumindest darauf, dass schnell ein RTW kommen kann. Unser Bekannter ist leider gestorben, weil der Hubschrauber nicht mehr fliegen konnte. Da ist es mir gelinde gesagt xxx-egal, was für einen Lärm er macht. Bei jedem RTW mit Blaulicht drücke ich die Daumen für den Patienten, die Besatzung und die Angehörigen und hoffe, dass ich somit schon vielen Leuten unbemerkt das Leben gerettet habe. 'Leute, ihr schafft das!'

    Diese Leute, die so einen Lärm machen, haben meiner Mutter mehrfach das Leben gerettet und ich bin so unendlich dankbar dafür!

    Ich bewundere diese Leute, die sich jeden Tag selbstlos für andere aufopfern und hoffe, dass der Mann an der Wurstbude ein armseliger Einzelgänger ist!

    GLG
    Dagmar

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  2. Das hast du wieder einmal schön in Worte gefaßt, wir haben alle eine Chance und dürfen hoffen.
    Die ewig Unbelehrbaren und Meckerer müssen wir so hinnehmen und weiter hoffen, dass sie es einmal anders sehen ohne den Helikopter dafür in Anspruch zu nehmen.
    Ich wünsche euch schöne, fröhliche und sonnige Ostertage
    LG
    Andrea

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  3. Liebe Postpanamamaxi,

    wie immer hast Du die richtigen Worte getroffen.

    Unsere Tochter hat heute zum ersten Mal einen kompletten Löschzug incl RTW und NAW gesehen und sich sehr erschreckt und geweint. Die Dame neben uns hat dann gemeint, was müssen die auch so einen Krach machen, das arme Kind....ich habe sie böse angeguckt und meiner Tochter erklärt, was passiert und warum die Sonderrecht eingeräumt werden. Und was tut sie....nickt und winkt freudig dem, bereits entfernten Löschzug hinterher.

    In diesem Sinne....ein erfüllendes Ostern.

    Schweden

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  4. Es gibt wirklich viel Lärm auf dieser Welt.
    Aber ein Rettungshubschrauber hat uns noch nie gestört. Es lässt uns eher einen Moment innehalten und demütig werden. Weil man selbst noch heil im Garten steht.
    Ach ja, es gibt schon seltsame Ansichten!
    Ein frohes Osterfest wünsch ich euch!

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  5. Ich wohne direkt neben einem großen Platz, dort landen öfters Hubschrauber wenn ein Unfall geschehen ist. Ein Polizeiauto nimmt dann die Retter zur Unfallstelle mit. Ich würde mich niemals über Lärmbelästigung beschweren. Im Gegenteil, ich bin sehr dankbar dafür, dass es sie gibt.
    Eine schöne Osterzeit wünsche ich Dir!

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  6. Du hast so treffend geschrieben. Ich kann nur den Kopf schütteln, was es doch noch immer oder immerwieder alles gibt.
    Ich hoffe, Dein Osterfest war schön. Ich wünsche Dir eine gute Woche
    Viele Grüsse
    Elisabeth

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  7. Ein Kampfflieger macht mehr Krach!!! Und ist meist unsinnig!

    Nur noch was anderes zum Thema.
    Betrifft alle: Wenn ihr mal einen RTW braucht oder auch die Feuerwehr. Achtet darauf das eure Hausnummer gut sichtbar ist und wenn ihr habt stellt einen Einweiser VOR die Tür bzw. an die Strasse, dann werdet ihr schneller gefunden und es wird euch schneller geholfen.

    Nur schnell am Rande....

    P.S. Gehöre nämlich auch zu denen die durch die Strasse düsen und Krach machen, Sonn-und Feiertag, Tag und Nacht.

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  8. Jepp, es ist erschreckend, wie egozentrisch manche Menschen durchs Leben gehen!
    Das KH gleich ums Eck, wenn einem mal was fehlt, das ist ok, aber wehe andere Menschen "belästigen" den grauen Alltag!

    Ich les gern von und bei Dir, hab ein tolles Wochenende!
    Barbara

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  9. Liebe Postpanamamaxi,

    ich kann Dir nur zustimmen. Dies gilt übrigens auch allen, die hier schon einen entsprechenden Kommentar hinterlassen haben.

    Mein Mann musste bereits mit einem Rettungs- Hubschrauber an einem Sonntag vom örtlichen Krankenhaus in ein Herzzentrum transportiert werden.

    Ich bin sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Es fehlt mir jegliches Verständnis für Menschen, die sich da noch über den Krach beschweren. Sie vergessen scheinbar, dass sie auch einmal in die Lage kommen könnten, auf schnelle Hilfe angewiesen zu sein.

    Ganz liebe Grüße Caroline

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  10. Uffz. Beim Thema Rettungshubschrauber kommt so viel bei mir hoch ...
    Kurz zusammengefasst: Ich an Deiner Stelle wäre nicht ruhig geblieben, ich hätte wohl weiter unter der Gürtellinie geantwortet. Über übende Kampfjets ärgere ich mich, aber niemals über Rettungshubschrauber, egal, wie dicht sie über mich hinweg fliegen. Nicht jeder Hubschraubereinsatz, den ich direkt oder indirekt miterlebt habe, war am Ende lebensrettend, aber ohne diese Einsätze wären mehr Menschen gestorben. Vielleicht sollten sich manche Menschen mehr Gedanken darüber machen, was ihnen selber geschehen kann, und wie toll sie dann einen Rettungshubschrauber finden - wenn sie schon nicht in der Lage sind, ihren Egoismus so weit zur Seite zu schieben, um zu erkennen, dass anderen damit das Leben gerettet wird.

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  11. Liebe Ilke,
    ich danke dir von Herzen für das Niederschreiben deiner Gedanken, sowohl zum Einsatz des Rettungshubschraubers als auch zu Ostern.
    Da ich ja auch in einer Klinik arbeite u. öfters Krankentransporte per Heli miterlebe, kenne ich auch die ganze Bandbreite an Reaktionen darauf; und das nicht selten von Patienten!
    Wie würden sie wohl reagieren, wenn sie selbst den Heli benötigten u. er nicht zur Verfügung stünde?
    Meinem Schwager jedenfalls konnte dadurch höchstwahrscheinlich das Leben gerettet werden und meinem ältesten Sohn nach seinem Arbeitsunfall sogar ganz sicher, auch wenn er jetzt behindert ist bzw. Defizite hat; aber was macht das schon, er lebt und es geht ihm gut.

    Und ja, durch Jesu Tod wurden wir freigekauft; Gott gewährt uns diese Gnade. Er vertraute uns auch dadurch die Schöfpung und das Leben um uns an. Ich möchte versuchen, dieses Vertrauen nicht allzu oft zu enttäuschen. Manchmal gelingt es mir auch.
    Liebe Grüsse
    Marlene

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  12. Leider denken viele Menschen genau von 12 bis Mittag. Und so wie sich unsere Gesellschaft darstellt,werden sie auch nicht zum Denken angeregt. Massenmedien verängstigen und verdummen-denn ängstliche und dumme Menschen sind wie Schafe, die man vor sich hertreiben kann. Und Eimzelne lassen sich viel leichter brechen-denn nur gemeinsam ist man stark.
    LG,
    Ela

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