Freitag, 10. Dezember 2010

Unser Garten...

...ist im Moment geradezu verzaubert schön.

All die Unzulänglichkeiten, die man im Herbst nicht mehr geschafft hat - ich bin kein großer Gärtner - sind zugedeckt unter einer pudrigen weißen Schneeschicht. Die Bäume sind überzogen mit Rauhreif und stehen märchenhaft still vor einem Himmel, der hier an der Küste nur im Winter so klar und leuchtend blau sein kann.

Wir waren den halben Tag lang draußen unterwegs, sind über den Weihnachtsmarkt gebummelt, haben Pakete zur Post gebracht und mit etwas Glück habe ich wohl den Wintermantel gefunden, den ich mir so sehr wünsche. Ich habe einen warmen Anorak, aber der ist sehr sportlich, und ab einem gewissen Alter braucht eine Frau einen Mantel, der neben Funktionalität auch einen gewissen Chic ausstrahlt.
Und mein alter Mantel ist 6 Jahre alt und das sieht man ihm trotz guter Pflege an.

Früher, als ich noch einer bezahlten Arbeit nachging, habe ich mir einfach einen Mantel gekauft, wenn ich einen brauchte und einen fand, der mir gefiel, passte und bezahlbar war. Finanzielle Unabhängigkeit durch ein eigenes Einkommen ist schon eine tolle Sache und nach 21 Jahren ist das Hausfrauendasein zumindest diesbezüglich eine Umstellung für mich. Ich leiste reichlich Arbeit, aber alles unbezahlt, und mir fehlt ein bisschen die Anerkennung, die aus einem Gehaltszettel hervorgeht.

Jetzt wünsche ich mir solche Dinge wie einen Wintermantel zu Weihnachten und fühle mich dabei wie ein 50er-Jahre-Frauchen...es ist schon fast erschreckend, wie sich die Wertigkeiten verschieben.

Früher konnte ich auch mal eben in einer Stunde drei Läden mit dem Auto ansteuern und sämtliche Einkäufe erledigen und nebenbei noch etwas zur Post bringen. Allerdings hatte ich früher durch den Job auch nur sehr wenig Zeit zur Verfügung, um solche Dinge zu erledigen. Die Taktung musste schon durch die knappe Zeit enger gesetzt werden.

Heute ist alles etwas umständlicher. Ich kann mir zwar meine Zeit freier einteilen als früher, aber das ist nur scheinbar der Fall. Die Taktung wird von den Kindern vorgegeben, weil die sich beide gerade im Trödel- und Entdeckungsalter befinden und ihre Zeit dafür brauchen.

Nehmen wir das Beispiel "Lebensmitteleinkauf und schnell mal zur Post":
Ich muss erstmal die beiden Jungs einfangen und in Winterkleidung stecken, Schuhe, Handschuhe, Schals und Mützen suchen und diskutieren, warum eine Sommermütze oder Gummistiefel nicht das Passende sind bei minus 5 Grad.

Dies ist der Augenblick, wo ich mich ernsthaft frage, warum ich so dumm war, meinem Kind das Sprechen beizubringen! Es ist ein prekärer Moment, wenn man feststellt, dass so ein knapp Vierjähriger durchaus schon logisch argumentieren kann, wenn ihm eine Sache wirklich ernst ist. Und die Schuh- und Mützenfrage ist ein durchaus ernstes Thema für ihn, was gründlich ausdiskutiert werden muss.
Darf man als Muttertier eigentlich mal "Halt doch mal den Mund, nur für 5 Minuten!" sagen?

Ist die Kleidungsfrage geklärt, muss ich etwas zu Trinken und etwas zu Essen einpacken, die Wickeltasche nehmen, das Kuscheltier für den Großen suchen, die Post bei der allgemeinen Aufbruchsstimmung nicht auf dem Tisch liegen lassen und aufpassen, dass ich mich bei unserer Haustür nicht versehentlich aussperre. Dann wird die Bande im Auto angeschnallt und ich renne nochmal ins Haus, um hoffentlich alles Vergessene einzusammeln und wegzuräumen.

Grundregel Nummer 1: Ich ziehe meine Jacke erst an, wenn ich selbst das Haus verlasse. Sonst wäre ich beim Verlassen des Hauses bereits schweißgebadet!

Grundregel Nummer 2: Irgendwas vergisst man immer.

Grundregel Nummer 3: Was früher binnen einer Stunde erledigt war, dauert heute mindestens drei Stunden und ist ungefähr genauso anstrengend wie ein Triathlon. Mindestens!

Grundregel Nummer 4: Egal, wie groß das Auto - ein uralter Kombi - auch sein mag: Mit einem Kinderwagen, zwei Windelkartons, zwei Getränkesixpacks und den übrigen Wocheneinkäufen wird jeder Einkauf zum logistischen Großakt.
Es wird generalstabsmäßig geplant, wo man zuerst einkauft, weil man da noch den Kinderwagen benötigt, und wo man zuletzt einkauft, um dann die Einkäufe auf, unter und im Kinderwagen zu verstauen, weil der Kofferraum doch immer wieder zu klein ist.

Grundregel Nummer 5: Beim Heimkommen hat man jedes Mal wieder dasselbe Problem, dass beide Kinder als erstes aussteigen wollen und dann sofort erwarten, dass Mutter etwas zu Essen/Trinken/frische Windeln/alles auf einmal macht.

Als erstes müssen die Würstchen ausgeladen werden, auch wenn die im 1. angesteuerten Laden gekauft wurden und entsprechend tief vergraben im Kofferraum liegen.

"Ich helfe dir, Mama. Ich bin schon ein großer Helfer!" verkündet der Dreijährige, um nachzuschieben "Wo sind denn nun die Würstchen? Such sie, Mama, ich will sie reinbringen (und auspacken, essen, den Rest stehen lassen)." - "Und der Rest, soll ich den allein reinbringen oder hilfst du mir dabei auch?" - "Nee Mama, den mach man allein, ich will Würstchen essen! Ich bin nämlich ein großer Helfer, weißt du das?" - "..."

Während die Kurzen also würstchenmampfenderweise vorm Kühlschrank kampieren und dabei noch ihre Anoraks und Stiefel tragen, räume ich den Kofferraum aus und packe die Einkäufe weg.

Ach ja, es ist nie langweilig.
Ich will mich auch nicht beklagen, denn trotz des fehlenden Einkommens ist mein Leben heute viel reicher als es jemals war.
Und auch wenn sich meine kleine Familienbande oftmals als Hemmschuh betätigt, so empfinde ich in meinem jetzigen Lebensalltag wesentlich mehr Freiheiten als früher. Freiheit im Kopf.

Leere Taschen, volles Herz, den Kopf voller kreativer Ideen, die früher keinen Raum zur Entfaltung bekamen - und die Augen voller Glück. Endlich.
Ich will es festhalten, so gut ich kann. Ich bin dankbar. So, wie es jetzt gekommen ist, soll es gut sein für mich.

Viele Grüße
Postpanamamaxi

Kommentare:

  1. Von Nachteule zu Nachteule: Ja, du darfst auch mal sagen: "Ruhe!!!!!"
    Wenn mir mein Kurzer mal wieder stundenlang ohne Punkt und Komma die Ohren abgekaut hat, kann er von Glück sagen, dass mal wieder kein Pflaster im Haus ist, weil seine große Schwester alles für ihre Bastelarbeiten aufgebraucht hat. Wir haben ja auch kein Tesa *augenverdreht*

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  2. Ach meine Liebe,
    ich überlege ernsthaft, ob ich meinem Mann den link hier her schicke... Du sprichst mir mal wieder aus der Seele- und aus dem Leben! Und dabei habe ich doch nur ein Erdenkind...
    Ja, wir sind reich! Was ist da schon Geld...(wobei ein selbständig gekaufter und bezahlter Mantel auch wirklich einen Reiz hat!!!)
    Und JA, wir sind reich- nicht nur durch REICHlich Dreck, REICHlich Chaos- sondern vor allem durch REICHlich Leben in der Bude!
    Ich danke dir!
    Liebe Grüße,
    Astrid

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  3. Ufffffffffffff,
    DAS habe ich schon alles hinter mir, grins.... aber ich kann mich da auch noch gut daran erinnern....

    Daran, das der Maxi-Cosi nicht auf den Einkaufswagen passte, der musste dann IN den Wagen, das zweite Kind auch, aber wohin dann mit den Einkäufen? Also irgendwie zwischen die Kinder und aufpassen das sie nichts auspacken...

    Heute habe ich das Glück das mir alle Kinder helfen beim Ausräumen, sonst gibt es kein Essen, trallllallaaaa....

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