Mittwoch, 23. März 2011

Frühlingsgefühlsecht

ich mag diese Weidenart mit ihren verschnörkelten Zweigen
manchmal lohnt es sich, vor einer Blüte einen Kniefall zu machen
mein Rasen: 95% Moos, 3% Gras, 2% Krokusse = 100% Frühling
Speicherkoog in Dithmarschen
fast menschenleeres Neuland hinter dem Deich
zwischen Meer und Land


Seit ein paar Tagen ist der Frühling bei uns eingezogen.
Schon am Sonntag beim Boßelausflug war es ungewohnt mild und die Sonne kämpfte sich erfolgreich durch den Dunst.
Und keine Sorge, unsere Landschaft sieht nicht überall so karg aus wie hier auf diesem Bild.

Der Speicherkoog ist 1978 eingedeicht worden und wird nicht von Menschen bewohnt.
Die landeinwärts gelegenen Teile des Speicherkoogs werden landwirtschaftlich genutzt, die näher zum Deich liegenden Bereiche sind Naturschutzgebiet bzw. Naherholungsflächen.

Der Südteil des Koogs wird militärisch genutzt Waffenerprobungen, wobei es in den letzten Jahren ruhiger geworden ist.

Die Eindeichung war bitter notwendig, die schweren Sturmfluten 1962 und 1976 hatten zu Deichschäden bzw. sogar zu Deichbrüchen geführt und es musste nunmehr dringend gehandelt werden.
Durch den Speicherkoog veränderte sich die Infrastruktur der Dithmarscher Bucht, denn die Küstenlinie verlagerte sich bis zu 5km nach Westen. Was früher direkt am Meer lag, befand sich nun im Binnenland.

Aber das Leben hinter dem Deich ist seitdem wesentlich sicherer geworden.

Die drei oberen Fotos habe ich heute auf der Bollerwagentour mit meinen Jungs aufgenommen. Die Krokusse haben mein Großer und ich im letzten Herbst gemeinsam im Garten versteckt. Es ist für ihn ein tolles Erlebnis, zu sehen, was seine Pflanzaktion gebracht hat.

Im Moment ziehen wir gerade Kresse auf der Fensterbank. Die wächst so schön schnell, dass er dabei zugucken kann. Jeden Morgen wird das Wachstum bestaunt. Das gefällt ihm. Geschmacklich gefällt sie ihm nicht.
Gemüse. Igitt, da könnten ja Vitamine drin sein!

Also gibts am Wochenende ein Brokkolicremesüppchen mit Sahnehäubchen und darübergestreuter Kresse. Lecker.

Ansonsten gab es heute noch zwei Highlights:
1. Seife schneiden und verzieren.
Mein Großer und ich haben heute 30 Seifenstücke lang darum gekämpft, wer denn nun den Wellenschneider benutzen darf. Er will so gern helfen, aber ich kann seine Hilfe noch nicht wirklich gebrauchen, weil er einfach noch zu grobmotorisch ist und mehr kaputt macht, als er bringt.

Es ist wunderbar, dass mein Großer so begeistert dabei ist, wenn es ums Sieden geht.
Auch wenn es einen manchmal ermüdet.

2. Gummistiefel und meine Mamascheuche
Wir wollen einkaufen. Während der Kleine ratzfatz angezogen und reisefertig ist, entspinnt sich mit dem Großen eine neue Endlosdiskussion. Wenn er denn diskutieren würde! Aber nein, der ansonsten ach so sprachbegabte Herr zieht es vor, in so einen weinerlichen Jaulton zu verfallen, bei dem kein Wort zu verstehen ist.
Nach Ewigkeiten kann ich erraten, dass er seine Cordhose total doof findet und dass er lieber Schuhe als Gummistiefel anziehen will. Normalerweise zieht er Gummistiefel auch nur zum Draußenspielen an, weil er am liebsten herummatscht. Aber weil er das letzte Mal seine guten Schuhe zum Matschen angezogen hat, sehen die aus wie Hölle und in diesem Fall waren die Gummistiefel wesentlich sauberer. Aus diesem Grund sollte er sie ja auch anziehen.

"Du kannst ja meine Stiefel saubermachen." Sicher, junger Mann, und Männer sind klüger als Frauen und die Erde ist eine Scheibe. "Du machst Deine Drecksstiefel selbst sauber, Du hast sie schließlich auch zum Matschen angezogen und verdreckt."

Jaul. Rotz. Krokodilstränen.

Okay, ich schnappe mir den Kleinen, der mittlerweile in seiner Jacke anfängt, zu schwitzen (die ist schließlich nicht für den Aufenthalt IM Haus gedacht). "Ich gehe jetzt. Entweder du ziehst die Gummistiefel an oder ich fahre ohne dich."

Binnen Sekunden hat er sich angezogen und seine Jacke nebst Mütze gesucht, gefunden (die Ausnahme!) und angezogen. Na bitte, geht doch. Im Moment sind zwei Mützen meines Großen abgängig, es ist sagenhaft. Der Kleine verliert viel seltener seinen Kram. Beim Großen muss ich ständig nach seinen Sachen suchen und er ist auch nicht in der Lage, irgendwas zu finden.

Im Auto dann der zweite Akt.
Gejaule vom Rücksitz. "Mein Häschen, ich BRAUCH doch mein Häschen! Mama, du musst es holen!"

Ich kenne das schon. Mein ach so unternehmungslustiger Sohn braucht immer dann, wenn es zeitlich gar nicht passt, ganz besonders dringend sein Kuscheltier. Oder was zu Trinken. Oder er hat seine Mütze vergessen. Oder die falsche Mütze dabei. Oder er braucht unbedingt noch das farbige Legofeuerwehrmännchen (die 6 hellhäutigen, die er dabeihat, reichen nicht).

Wobei es ihm erfahrungsgemäß weniger darum geht, das Gewünschte dabei zu haben, als die Mama loszuscheuchen, dass sie lossprintet, es in Hektik sucht, findet und ihm bringt.

Woher ich das weiß? Wenn er das Kuscheltier erstmal hat, schmeißt er es irgendwo auf den Sitz oder in den Fußraum und vergisst es dort.

Der zweite Teil der Aktion Mamascheuche findet dann abends statt, wenn der junge Herr im Bett liegt. Dort ist ohnehin kaum noch Platz angesichts der Kuscheltierherden, aber er verfällt dann regelmäßig in Gejaule und Gejammer, um mich dazu zu bringen, irgendein hochwichtiges und schmerzlich vermisstes Kuscheltier zu suchen und ihm zu bringen. Weil er ohne den Hasen nicht einschlafen kann, den er den halben Tag lang irgendwo verschlampt hatte. Es liegen auch nur 3 andere baugleiche Hasen in seinem Bett.

So wie vorgestern abend. Morgens hat er sich eine Unmenge Gepäck zusammengesammelt, die er auf die Fahrt zum Boßeln unbedingt mitnehmen wollte (5km Strecke). Beim Aussteigen hat er sie im Wagen gelassen und dann vergessen. Bis zum Zubettgehen, denn dann ging das Gejaule wieder los.

Und was macht das Muttertier? Es ist gemein. Es verweigert den hektischen Alarmstart Richtung Haus, um dem Wunsch des geliebten Erstgeborenen nachzukommen. Stattdessen hat das Muttertier den Großen als Mamascheuche bezeichnet, der es nur darum geht, die Mama im unpassendsten Moment loszuscheuchen. Ich scheuche, also bin ich!

Nee, nicht mehr mit mir. Ab heute wird gestreikt. Ich habe keine Lust mehr. Mamascheuche adé!

Ich liebe meine Kinder.
Aber ich liebe auch mich selbst und ich denke, dass das ganz wichtig ist, um eine gute und zufriedene Mutter für die Kinder zu sein.
Und dazu gehört auch, dass meine Kinder lernen, dass sie die Mama nicht zu ihrem Vergnügen und ihrer Bequemlichkeit fröhlich herumscheuchen dürfen.

Ich bin die Mutter meiner Kinder und nicht ihre Freundin. Das klingt jetzt hart und herzlos, aber Freundschaft erfordert Augenhöhe und Gleichberechtigung und die ist im Eltern-Kind-Verhältnis nicht angebracht.
Was soll ich tun, wenn mein Kind sich beispielsweise weigert, ein wichtiges Medikament zu nehmen oder später mal die Hausaufgaben zu machen? Da muss ich Mutter sein und den Mut haben, mich ganz gepflegt unbeliebt zu machen, um unpopuläre und notwendige Maßnahmen durchzusetzen. Hätte ich diesen Mut und die Bereitschaft zur Unpopularität nicht, dann wäre ich eine schlechte Mutter.

Denn Kinder brauchen Grenzen, um Regelmäßigkeit und Geborgenheit zu erfahren. Und auch um zu lernen, wann man eine Grenze mal überschreiten muss und dass sie die Konsequenzen daraus tragen müssen. Sie lernen, dass es Dinge gibt, die man diskutieren kann und dass man bei anderen Dingen einfach mal der Autorität gehorchen muss.
Über den Pullover, den sie anziehen sollen, kann man gern mal diskutieren, wenn die Zeit dafür da ist. Aber über die Hand am Küchenherd diskutiere ich nicht, da gibts sofort Mamamecker. Und zwar so, dass die lieben Kleinen auch merken, dass sie gerade Mist gebaut haben.

Würde ich meine Position als Freundin meiner Kinder definieren, müsste ich in so einer Situation fürchten, ihre Freundschaft zu verlieren.
Definiere ich mich als Mutter, muss ich das nicht fürchten.
Und wenn mir später mal ein "Mama, du bist echt fies und gemein und ich hab dich gar nicht mehr lieb!" entgegenschallen wird, dann weiß ich, die beruhigen sich auch wieder. Ich kann also ganz entspannt ein "ich hab dich auch ganz doll lieb, mein Kind!" zurückflöten.

Auch wenn es mir beim ersten Mal wahrscheinlich doch wehtun wird...denn natürlich habe ich meine beiden Burschen sehr lieb.

Liebe Grüße
PostpanaMAMAxi

Jetzt wisst Ihr einen Teil des Hintergrundes zu meinem Nick.

Kommentare:

  1. Moin.
    Ich wollte eh gerade fragen, wo ihr wohnt.
    Dithmarschen ist definitiv näher an Ribe als Franken.
    Danke für deinen langen Kommentar!
    (Wieso hat Blogger deinen langen Kommentar genommen? Grübel)
    ganz liebe Grüße
    und laß dich nicht scheuchen.
    Ich such deuch dann mal auf der Turmhuegelburg....
    bis bald!

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  2. Ach Du liebe Rabenmutter ;-)

    Es ist wichtig den Kindern beizubringen, daß es Grenzen gibt. Und ja, es ist nicht immer leicht. Wie oft habe ich schon gehört "Du bist die weltallerblödste Mami" oder "Dann zieh ich zu Papi und der Birgit!"

    Die Mama ist keine Putzfrau, Haushaltshilfe, Aufräummeister und dergleichen ;-) Das müssen die Kinder eben auch lernen. Schließlich sollen sie auch selbständig werden und irgendwann auf eigenen Beinen stehen.

    Ganz liebe Grüße
    Elena

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  3. Hihihi ich kugel mich grade, Mamascheuche ist so ein genialer Ausdruck. Unter uns wohnt im Moment auch so eine Mamascheuche, wenn er nicht bekommt was er will brüllt und brüllt und brüllt er. Leider sind aber die Nerven seines Papas weit weniger gut als die seiner Mama, und deswegen ist er mittlerweile furchtbar verzogen. Schön, das deine zwei beiden das nicht zu befürchten haben! Natürlich muss man als Mama mal unliebsamere Entscheidungen treffen, man ist ja auch ein Stück weit Autoritätsperson und an was sonst sollen sich Kinder denn festhalten, wenn es darum geht wie man sich verhalten soll? Ich bin mir sicher deine Jungs werden mal zwei ganz tolle Kerle, auch wenn sie den Hasen mal nicht gebracht bekommen. ;)

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  4. Hallo! Vielen Dank für die schönen Bilder, ich finde Landschaften mit 180° Himmel herrlich!
    Und ebenso vielen Dank für Deinen lustigen und glücklich machenden Bericht. Ich lese sowas immer mit einem breiten Grinsen, denn ich bin sehr froh, dass es anderen Müttern ähnlich geht. Vor dem ersten "blöde Mama" habe ich auch etwas Bammel, aber ich bin fest entschlossen, es mir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen.

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  5. Du beschreibst das so wundervoll humorvoll und doch weise, ich find das toll. Und ich denke, mit genau der Haltung bist Du eine tolle Mutter. Deine Kleinen werdens im Momment selbst nicht immer mögen, aber hinterher werden sie Dir immer dankbar sein und Dich ganz furchtbar lieb haben.
    Meine Mama hats ähnlich gemacht, diskutieren wo Raum dafür ist (zB Taschegeldverhandlungen am runden Tisch), aber meine Geschwister und ich wussten auch immer ganz genau wo die Grenze ist bzw. wann sie überschritten war und dann ohne Terz gemacht wurde was angesagt war (zB lange Bahnfahrt mit knapper Umsteigezeit). So eine konsequente Linie möcht ich auch gern mal fahren.

    minnie may

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  6. Vielen Dank für die tollen Bilder! Mit der Erziehung sehe ich es ähnlich, aber Erfahrungswerte habe ich ja noch keine ;).

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  7. Ja, der Frühling ist da! Dumdidumdidum.. das macht einfach gute Laune.
    Und natürlich hast Du mal wieder recht, aber ich habe ja noch ein wenig Zeit bis ich mich unbeliebt mache beim Tochterkind. Aber irgendwann muss es ja wirklch sein.. seufz
    LG Katja

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  8. Die Bilder sind klasse, hätte gerne mehr davon.....

    lg
    liora

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