Samstag, 12. März 2011

Wer seine Geschichte nicht kennt...

...ist gezwungen, sie zu wiederholen. (Santayana)

Ich hoffe, wir erleben keine Neuauflage von Tschernobyl.
Die Nachrichten sind höchst beunruhigend und manchmal wünsche ich mir, weniger belesen zu sein. Dass es in Fukushima zur Explosion kommen würde, war mir eigentlich schon klar, als sie gestern das erste Mal über den Ausfall der mehrfach redundanten Stromversorgung für die Reaktorkühlsysteme berichteten. Die Ankündigung, dass es außerdem "irgendwie zuwenig" Kühlmittel gäbe, bestätigte mir meine Befürchtungen. Es war nur eine Frage der Zeit.

Ich habe zuviel über Harrisburg und Tschernobyl gelesen, um beruhigend ahnungsfrei zu sein. Und ich kenne mich auch viel zu gut aus mit den Folgen der radioaktiven Kontamination, um gelassen abwarten zu können.

Ich habe einfach nur auf die Bestätigung gewartet, dass es wieder passiert ist. Und frage mich, wie oft es noch passieren muss, bis die Menschheit klüger wird.

Und es hat mich innerlich auf die Palme getrieben, wenn die Moderatoren schon am gestrigen Nachmittag immer wieder so harmlos-euphemistisch drumherumfragten in ihren Expertengesprächen. Verfügen die über keine umfangreiche Allgemeinbildung oder ist es Vorgabe der Senderedaktion, solange euphemistisch zu bleiben, bis man den Tatsachen nicht mehr entkommen kann?

Und erst gegen 22:30 Uhr wurde erstmalig das Wort "Tschernobyl" und "Super-GAU" erwähnt.

Wer auf tektonisch aktiven Gebiet Atomanlagen errichtet, fordert das Schicksal über die Maßen heraus.
Aber schon in Pompeji fand man bei Ausgrabungen der 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs verschütteten Stadt ein Sgrafitto, das das gute Leben am Fuße eines Vulkans beschrieb.

Was kann ich tun? Wir haben einen atomstromfreien Stromanbieter, heizen mit Erdgas und mit einem Kaminofen und betreiben eine Solarthermikanlage auf unserem Hausdach. Ich vermeide unnötige Autofahrten und versuche, möglichst nachhaltig zu wirtschaften.
Aber ich kann keinen zwingen, es uns gleich zu tun.

Ich habe zwei kleine Söhne und möchte gern, dass auch sie eine glückliche Zukunft vor sich haben.

Dr. Martin Luther wird folgendes Zitat zugeschrieben: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen."

Pflanzen wir Apfelbäume...

nachdenkliche Grüße
Postpanamamaxi

Kommentare:

  1. du sprichst mir aus der Seele. Wer macht sich in diesen Tagen keine Sorgen um den Supergau dort in Japan? Die Atomenergie ist eine Erfindung die mehr Leid bringt als nutzen.

    Man möchte doch nur das seine Kinder, Nichten und Neffen gesund aufwachsen können. Warum wird so leichtfertig mit der Zukunft und Grundlage des Lebens umgegangen?

    Wir können nur weiter bangen und hoffen, dass die dort noch die Kurze kriegen. Ein Wunder wäre jetzt gut.

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  2. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das gestern überhaupt gar nicht mitbekommen habe. Kein Radio, kein Fernsehen... Aber heute morgen habe ich es gehört. Schrecklich. Musste auch gleich wieder an Tschernobyl denken.

    Dagmar

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  3. Es ist ein beklemmendes Gefühl...
    Bei Urlaubsplänen (bei denen Japan auch schon Thema war) war dieses Land immer sehr weit weg...
    Und das Gefühl, das sich in mir seit gestern breit macht sagt mir, dass Japan in dieser Situation unwahrscheinlich nah ist.

    Deinen Text musste ich grad erstmal sacken lassen und in der Zwischenzeit hat es mich zu meinen ZEN Büchern hingezogen.

    "Die Menschen in der Welt zweifeln nicht.
    Erst wenn man sie belehrt, fangen sie an zu zweifeln"
    (Zen Gedicht, aus dem Buch ZEN WEISHEIT)

    Wird dieses Erdbeben mit seinen Folgen nun endlich eine Lehre für die Menschheit sein?

    Lasst und Apfelbäume pflanzen!

    Nachdenkliche Grüße
    von Astrid

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  4. Ich hatte die gleichen Gedanken wie du und nur noch auf die Bestätigung gewartet. Wir arbeiten mit Kräften die wir noch nicht mal im Ansatz beherschen können, aber so ist die Menschheit, wie Kleinkinder ohne Aufsicht...übrigens habe ich Heute an unseren Apfelbäume den jährlichen Obstbaumschnitt gemacht, will sagen: gepflanzt haben wir schon!

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  5. Mir fehlen die WOrte...
    Tschernobyl - ich weiß noch wie heute, als die Nachricht uns hier erreichte, was wir getan haben, dass ich die Kinder reingeholt habe, dass sie nicht in der Sandkiste spielen durften...
    Wir hatten jahrelang in den Ferien Kinder zu Gast aus der Tschernobyl-Region. Ich habe die russische Sprache gelernt. Ich bin dort gewesen, kurze Zeit in Bartholomjewka, einem verstrahlten Ort, in dem noch ein paar alte Frauen lebten... Als wir mit dem Bus wieder wegfuhren riefen sie uns hinterher "Vergesst uns nicht"
    Fordert die Menschheit solche Desaster heraus? Es scheint mir fast so. Was kann ich tun? Ich fühle mich machtlos.

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  6. Es wäre schön, wenn mehr Menschen versuchen würden nicht allzu zerstörerisch mit unserer Erde umzugehen..
    So wie Du es z.B. beschreibst.
    Leben ohne Ressourcenverbrauch und Spuren zu hinterlassen geht nicht, das ist ja klar. Aber bewusstes Leben geht und man kann sich für unsere Natur einsetzen. Mir begegenen jedoch durchaus recht häufig Menschen, die es scheinbar nicht sehr interessiert was sie für eine Welt hinterlassen.
    Ach mensch.. ein Bäumchen pflanzen ist immer gut.
    LG Katja

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  7. Wir sind wie immer einer Meinung. Ich könnte mich auch schon wieder so aufregen. Vor nicht allzu langer Zeit war bei uns in den Haßbergen geplant, ein paar Windräder aufzustellen und natürlich wurde dann wieder ein Volksbegehren daraus und alles wieder abgesagt, weil ja ein paar Fliegen kaputt gehen würden. Und was passiert, wenn ein AKW kaputt geht? Hat da schon mal jemand nachgedacht? Und ich muß sagen, wir wohnen auch nur 20 km von so einem Ding entfernt. Klar gibt es bei uns keine Erdbeben oder Riesenwellen, aber es kann auch anderes passieren.
    Auch wir haben Ökostrom garaniert ohne AKW-Strom und ne Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und wir produzieren jährlich doppelt so viel Strom, als wir verbrauchen. Wenn jeder so denken würde, wäre denke ich auch schon viel gewonnen.
    In diesem Sinne gehe ich morgen ein Apfelbäumchen für den Garten kaufen.
    Liebe Grüße
    Stefanie

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