Donnerstag, 18. November 2010

Kreatives Chaos, die Fortsetzung

Und so geht es weiter mit den adventlichen Vorbereitungen in meiner Familie:

Morgens haben meine Jungs und ich fleißig Weihnachtslieder geübt. In der Badewanne. Zu dritt, wohlgemerkt! Was bringt eine gute Mama ihrem Dreijährigen bei?

"Jingle Bells" und "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt".
Beim Gedicht lernt er auch die Zusatzstrophe, in der das fünfte Lichtlein brennt und man Weihnachten verpennt. Denn wir lernen nicht für den Weihnachtsmann, sondern fürs Leben.

Zu unserer Ehrenrettung muss ich dazu sagen, dass ich ihm auch noch diverse andere Weihnachtslieder vorgesungen und ein paar längere Gedichte vorgetragen habe.

"Es treibt der Wind im Winterwalde" von Rainer Maria Rilke gehörte genauso dazu wie "Weihnachten" von Joseph von Eichendorf (jeder kennt wohl das altbekannte "Markt und Straßen stehn verlassen...").
Und sogar "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm habe ich noch hinbekommen.

Wobei der Verdienst meiner lyrischen Bildung nicht meinem allgemeinbildenden Gymnasium zukommt, sondern größtenteils meiner Mutter zu verdanken ist, die mir früher Balladen statt Gutenachtgeschichten vorgetragen hatte. Danke, Mama!

Gestern hatten mein Dreijähriger und ich Kekse ausgestochen und gebacken, heute habe ich das Mittagsschläfchen unseres Kleinen dafür genutzt, gemeinsam mit dem großen Bruder die Kekse zu verzieren.

Bunte Speisefarbe ist etwas Wunderbares, und es hat mir große Freude gemacht, zu beobachten, wie mein Dreijähriger die Kekse sorgfältig mit Zuckerguss bestrich und dann mit Zuckerperlen bestreute.
Die Zungenspitze klemmte, wie immer, wenn er hochkonzentriert ist, zwischen den Zähnen. Schon mal rosa und himmelblaue Elche gesehen? Hier ist die Gelegenheit!

Und dies ist das Werk meines stolzen Dreijährigen (ich bin auch stolz auf meinen kleinen Kleckerbäcker!):


Seine Freude über sein Werk war so ansteckend...dass meine Küche jetzt auch mit rosa und himmelblauem Zuckerguss überzogen ist und Liebesperlen unter meinen Schuhen knirschten, das hat seine begeisterte Freude mehr als nur aufgewogen. Und nachdem ich heute mittag eine ganze Schüssel Kartoffelsalat direkt vor die Küchenzeile geworfen hatte, war der Fußboden ohnehin ein Pflegefall.

Und schön fand ich auch unsere kleine besinnliche Kuschelrunde, wo mein Großer bei mir auf dem Schoß saß und ich ihm die Geschichte "Pelle zieht aus" von Astrid Lindgren frei aus dem Gedächtnis nacherzählte. Eigentlich schrie das Geschirr danach, in die Spülmaschine geräumt zu werden, aber angesichts dieser wundervollen Geschichte um ein Missverständnis, Streit und Versöhnung konnte der Haushalt ein paar Minuten warten.

Gerade weil der Große so oft hinter dem Kleinen zurückstecken muss, was meine Zuwendung betrifft, sind diese Momente ungeteilter Zweisamkeit zwischen meinem Großen und mir so unendlich wichtig. Und so ist uns auch unsere abendliche Vorlesestunde heilig...wobei ich immer wieder feststelle, dass es ihm genausoviel Freude macht, wenn ich ihm frei erzähle. Ob dann ein Märchen das Thema ist, meine Kindheitserlebnisse oder ein Bericht über die Schneekatastrophe, ist ihm egal. Hauptsache, er hat die Mama ungeteilt für sich, wir kuscheln und ich erzähle ihm etwas Interessantes.

Dumm ist nur, dass mein großer Kleckerbäcker sich dann nach dem Backen und Geschichtenerzählen am Nachmittag still und leise mindestens 8 dieser zuckerlastigen Plätzchen zu Gemüte geführt hat und daraufhin abends einen verrenkten Magen und einen aufgewühlten Darm hatte.
Ich hoffe, dass es ihm nach seiner Spontanentleerung mitten auf den Wohnzimmerfußboden besser geht, er sich gesund schläft und dass er morgen wieder wohlauf ist. Als ich vorhin im Kinderzimmer nach ihm sah, lag er jedenfalls zufrieden schlummernd im Bett und wirkte recht gesund und entspannt.

Und hier kommt Teil II des heutigen kreativen Tagesprogramms: Ein Adventskalender, den es nirgendwo zu kaufen gibt und der von Herzen kommt. Ich hoffe, mein Patenkind wird genauso begeistert sein wie ich es bin.


Nachdem ich Freitag das Sterntaler-Motiv mit Stoffmalfarben aufgemalt hatte, habe ich heute den Stoff gebügelt und gesäumt. Anschließend habe ich die Zahlen aufgemalt.
Oben befindet sich ein Tunnel, durch den eine dünne Holzstange gezogen wird, um den Wandbehang zu befestigen. Unter die jeweiligen Zahlen wird noch ein kleiner goldfarbener Ring angenäht, an dem man dann kleine Geschenkbeutel bzw. Päckchen befestigen kann.

Dieser Adventskalender lässt durch seine zurückhaltende und zeitlose Gestaltung viel Spielraum, um jedes Jahr etwas Neues zu machen und meinem Patenkind viele Jahre große Freude zu bereiten.


So, nun ruft das Bett...und morgen muss ich wirklich mal im Dachgeschoss aufräumen. Also bitte NICHT anrufen, ich geh nicht ans Telefon. Sonst habe ich wieder, wie heute das Gefühl, den ganzen Tag nichts geschafft zu haben.

Viele Grüße
Postpanamamaxi

Kommentare:

  1. Wie bitte? Das nennst Du nix geschafft? Nach so einem Tag waere ich aber sowas von geschafft! Plaetchen gebacken, Adventskalender genaeht, Kartoffelsalat auf den Boden geschmissen, kranes Kind versorgt, sauber gemacht...
    Aber worauf ich wirklich neidisch bin, ist Dein Gedaechtnis. Meins ist wie ein Sieb und Gedichte kann ich schon gar nicht.
    Dafuer erinnere ich mich noch sehr genau, wie ich in der 6. Klasse Herr Ribbeck auswendig lernen sollte. Ich fand das totale Schikane, denn man kann es ja genauso gut lesen. Mir konnte leider keiner ein gutes Gegenargument liefern, und so muss ich jetzt mit einem loechrigen Gedaechtnis leben... (die ersten 4 Zeilen vom Gedicht kann ich aber noch).

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  2. Lach,verprochen, ich rufe nicht an. Ich komme aber auch nicht zum Putzen vorbei...

    Dein Kalender sieht ja auch wieder genial aus.... werde meinen die Tage auch mal fotografieren und in meinen Blog setzen.... Der sieht gaaaaaaanz anders aus als Deiner...

    Kekse backen, auf der einen Seite freue ich mich schon drauf, auf der anderen Seite nervt es mich aber auch tierisch... Seufz...
    Mei bin ich kompliziert....

    So nun gehe ich gleich mal duschen und schwirre in meinen Nachtdienst ab...

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  3. Dein Kalender sieht total toll aus!
    Du bist ganz schön fleißig muss Rachel recht geben ich wäre auch geschafft nach so einen Tag!

    lg Birgit

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  4. Ich habe mich sehr amüsiert beim Lesen, genieße die Zeit mit deinen beiden Knirpsen. Ein Augenaufschlag weiter und sie sind erwachsen. Ich habe mit meinen drei Kindern auch gesungen und Gedichte von mir und Wanderlieder von meinem Mann gehörten zu unserem Abendritual. Jetzt ist der Letzte mit 22 J. ausgezogen.
    Das ist das Wichtigste, was man seinen Kindern mitgeben kann, Zeit zum Kuscheln, Singen, Vorlesen usw.,das ist ein Bonus für das ganze Leben.
    Also weiter so und natürlich das seifeln nicht vernachlässigen.

    LG
    Andrea

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