Mittwoch, 16. November 2011

Sushi

Gestern abend wurde ein toter junger Pottwal vor Pellworm entdeckt und ins Meldorfer Hafenbecken geschleppt. Das Tier ist rund 15m lang, männlich und seit ein paar Tagen tot.
Da wir nicht allzuweit entfernt wohnen, habe ich mit den Kindern einen Ausflug dorthin gemacht.
Wann bekommt man schon ein so großes Tier zu sehen?

(Falls meine Freundin Aconita das jetzt liest: Ich habe auch gleich an die Doku auf N24 "Der Wal, der explodierte" gedacht. Dieser hier war aber noch nicht explosionsgefährdet. Trotzdem bin ich gerade sehr froh, dass mein Haus an einer Straße liegt, wo die garantiert nicht vorbeifahren werden, wenn sie das tote Tier abtransportieren! Falls jemand neugierig geworden ist, was es mit dieser absurden Geschichte auf sich hat: Auf Youtube gibt es das Video.)

Auf der Fahrt habe ich meinem Vierjährigen eine Menge über Wale beigebracht:
Sie sind Säugetiere und keine Fische, bekommen Babys und säugen diese 2 Jahre lang. Das fand er faszinierend. Ein Wal, der Milch trinkt!

Wir haben dann auch einen Blick auf das riesige tote Tier werfen können und Fotos gemacht. Aber den Anblick von 15 Meter totem Sushi will ich Euch ersparen. So appetitlich war es dann doch nicht.

Stattdessen möchte ich Euch ein paar Impressionen aus dem Naturschutzgebiet Speicherkoog zeigen.
Im Moment überwintern dort große Schwärme von Nonnengänsen und fressen das frische Grün der aufgehenden Wintersaat sowie Bodenlebewesen auf frischgepflügten Feldern.

So ein Schwarm Gänse klingt wie eine Cocktailparty!

Aufgeflogen!

Unmengen von Sanddorn

Lecker!

Wintergäste


Noch 1976 war hier ein Priel, der durch das Vorland mäanderte. Damals war der Punkt, an dem ich beim Fotografieren stand, noch der Außendeich, und das Wasser war salziges Brackwasser. Heute ist dieser Wasserlauf mit Süßwasser gefüllt, das aus der Entwässerung des Hinterlandes stammt.

1979 wurde nach 10 Jahren Planungs- und Bauzeit der Speicherkoog vollendet, ein sehr großes Deichprojekt, das unter anderem die Deichlinie von 30 auf 15km verkürzte und das Vorland, aber auch Wattenboden eindeichte. Zu diesem Zweck wurde eine Deichlinie über dem Meeresboden gebaut. Für den Bau der Schleuse für den neuen Meldorfer Hafen und die großen Entwässerungssiele wurde eine Insel auf dem Wattenboden errichtet und provisorisch eingedeicht, bis der Koog endgültig dem Meer abgerungen war.

Zum Ausgleich wurde der neugewonnene Koog dreigeteilt: Ein Teil wird unter strengen Auflagen landwirtschaftlich genutzt, ein Teil dient als Freizeit- und Erholungsgebiet und ein Teil steht unter strengstem Naturschutz, um Tiere und Pflanzen, die sich dort (teilweise neu) ansiedelten, eine sichere Heimat zu bieten. Der Koog wird nicht bewohnt, es befindet sich dort nicht ein einziges Wohnhaus.

Früher war die Nutzung des Kooges sogar viergeteilt, was heute gern verdrängt wird:
Großen Anteil an der Entscheidung, dieses Bauprojekt durchzuführen, hatte die Bundeswehr. Diese hatte sich nämlich im südlichen unbewohnten Teil einen Platz für die Erprobung von Artilleriewaffen eingerichtet und steuerte dafür entsprechende Mittel für das finanzielle Gesamtkonzept bei.
Die Einwohner der umliegenden Gemeinden fühlten sich durch die Bundeswehr oft belästigt, aber ohne deren Beitrag wäre der Koog wahrscheinlich nicht gebaut worden - die Einwohner hätten also noch länger hinter unsicher gewordenen Deichen leben müssen.

Viele Grüße,
Postpanamamaxi

Kommentare:

  1. Ohhhh wie schöööön!!! Ich liebe Norddeutschland und die See!! Sooo schön wohnst Du!!! LG Eri

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  2. Der arme Kerl...die 60 toten Wale vor ein paar Tagen haben mich auch wieder sehr nachdenklich werden lassen....
    Wenn man jemals einen Wal im Meer gesehen hat, ist der Anblick eines gestrandeten oder toten Wals schwer zu ertragen....
    Und der Film ist unglaublich.........
    Liebe Grüße vom Wasserzwerg

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  3. Liebe Postpanamamaxi,

    ich finde Deine Bilder sehr stimmungsvoll, voller landschaftlicher Schönheit und Frieden. Vielen Dank für diese Impressionen. Deine Kinder bekommen etwas geboten. Tolle Mama...

    Liebe Grüße Rainer

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  4. Den Bericht über den Pottwal habe ich gestern im SH-Magazin gesehen. Die haben erstmal das "Elfenbein" gesichert und den Wal "angeschnitten", damit er nicht explodiert. Das muss ein ziemlicher Gestank sein.
    LG Sabine

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  5. Wunderschöne Fotos - ich wäre gerne dabei gewesen bei Eurem Ausflug.
    Liebe Grüße

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  6. Ich würde so gerne mal mit Euch da spazierengehen...Wer weiss...vielleicht irgendwann.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Elisabeth

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